
Der Schutz heimischer Arten ist eine gemeinsame Aufgabe.
Entscheidend ist, den Erhaltungszustand einer Art und die verschiedenen Faktoren, die auf ihre Bestände einwirken, ganzheitlich zu betrachten. Nur so lassen sich wirksame Maßnahmen für den Artenschutz entwickeln und umsetzen.
Neobiota sind Tiere (Neozoen) und Pflanzen (Neophyten), die nach 1492 nach Europa gelangten und deshalb als gebietsfremd gelten.
Die EU führt über 60 invasive Tier- und Pflanzenarten auf, die heimische Arten und Ökosysteme bedrohen. Beispiele sind der Riesenbärenklau, das Drüsige Springkraut und der Waschbär.
Invasive gebietsfremde Arten (IGA) können heimische Ökosysteme auf verschiedene Weise gefährden:
- Sie erhöhen als zusätzliche Fressfeinde den Prädationsdruck auf heimische Beutetiere.
- Sie können Krankheiten und Parasiten verbreiten.
- Sie treten als Konkurrenten heimischer Arten auf und verdrängen diese.
- Durch Bastardisierung können sie den Bestand heimischer Arten gefährden.
Außerdem verursachen IGA wirtschaftliche Schäden, etwa durch Fraß an Kulturpflanzen, Schäden an Gebäuden und Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen. Ein Beispiel sind die Schäden durch die Kanadagans sowie die hohen Bekämpfungskosten des Asiatischen Laubholzbockkäfers.
Der Umgang mit IGA ist gesetzlich geregelt. Auf EU-Ebene gilt seit 2016 die EU-Verordnung Nr. 1143/2014, die Prävention, Eindämmung und Beseitigung invasiver Arten regelt. Die Biodiversitätskonvention verpflichtet Staaten zur Vorsorge und gegebenenfalls Bekämpfung invasiver Arten. In Deutschland regelt das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) den Umgang mit gebietsfremden Arten.
Quelle: Deutscher Jagdverband
Liste der invasiven Tierarten in Rheinland-Pfalz:
- Waschbär (Procyon lotor)
- Nilgans (Alpochen aegyptiaca)
- Roter amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii)
- Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans)
- Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax)
- Bisam (Ondatra zibethicus)
- Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva)
- Chinesisches Mundjak (Muntiacus reevesi)
- Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis)
- Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus)
- Kalikokrebs (Faxonius immunis)
- Kamberkrebs (Faxonius limosus)
- Kettennatter (Lampropeltis getula)
- Marderhund (Nyctereutes procyonoides)
- Marmorkrebs (Procambarus virginalis)
- Nordamerikanischer Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus)
- Nutria (Myocastor coypus)
- Schwarzer Zwergwels (Ameiurus melas)
- Schwarzkopf-Ruderente (Oxyura jamaicensis)
- Sibirisches Streifenhörnchen (Tamias sibiricus)
- Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus)
- Sika (Cervus nippon)
- Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus)
Quelle: https://lfu.rlp.de/natur/artenschutz/neobiota-invasive-arten/invasive-arten-in-rheinland-pfalz
Wildtiere als Kulturfolger
Städte bieten Wildtieren verschiedene Vorteile. Sie finden dort ausreichend Nahrung, zahlreiche Versteckmöglichkeiten und vergleichsweise wenige natürliche Feinde. Parks, Gärten, Industriebrachen, Dachböden und andere ungenutzte Bereiche können als Lebensraum dienen. Zusätzlich gibt es durch Müll, Kompost, Fallobst oder Tierfutter viele leicht zugängliche Nahrungsquellen. Besonders anpassungsfähige Tiere können diese Bedingungen nutzen und sich an die Nähe des Menschen gewöhnen.
Die Broschüre „Wilde Wohngemeinschaften – Wildtiere in der Stadt und ihre Folgen“ des Deutschen Jagdverbandes beschreibt, welche Wildtiere besonders häufig in Städten vorkommen, warum sie sich dort wohlfühlen und welche Probleme durch das Zusammenleben mit Menschen entstehen können.
Zu den in der Broschüre beschriebenen Stadttieren gehören unter anderem Wildschwein, Rotfuchs, Steinmarder und Waschbär. Sie unterscheiden sich zwar in ihrer Lebensweise, können aber alle zu Konflikten mit Menschen führen.
Wildschweine können beispielsweise Gärten, Rasenflächen und Beete beschädigen, weil sie auf der Suche nach Nahrung den Boden aufwühlen. Angelockt werden sie unter anderem durch Kompost, Gartenabfälle, Fallobst und bestimmte Pflanzen. Um Wildschweine vom eigenen Grundstück fernzuhalten, empfiehlt die Broschüre vor allem stabile und ausreichend tief verankerte Zäune. Außerdem sollte man Abstand zu den Tieren halten und Hunde in ihrer Nähe anleinen.
Auch Füchse haben sich gut an das Leben in Städten angepasst. Sie finden dort Nahrung in Müllbehältern, Parks und Gärten. Zusätzlich können sie durch Essensreste oder Katzenfutter angelockt werden. Füchse nutzen geschützte Bereiche, beispielsweise Gartenhäuser, als Unterschlupf. Da sie Krankheiten übertragen können, sollte man sie weder füttern noch anfassen. Die Broschüre empfiehlt, Futterquellen zu vermeiden und beispielsweise Kaninchen- oder Hühnerställe ausreichend zu sichern.
Der Steinmarder hält sich dagegen häufig in Gebäuden auf. Dachböden bieten ihm einen geschützten und trockenen Unterschlupf. Dort kann er Schäden an der Isolierung oder an Elektroinstallationen verursachen. Auch Autos können betroffen sein, da Marder den Motorraum aufsuchen und dort Kabel oder Schläuche beschädigen können. Um solche Schäden zu verhindern, sollten mögliche Zugänge zu Gebäuden verschlossen und geeignete Schutzmaßnahmen am Fahrzeug getroffen werden.
Der Waschbär ist ein besonders anpassungsfähiger, nachtaktiver Allesfresser. In Städten findet er beispielsweise in Mülltonnen, Parks und an Obstbäumen Nahrung. Dadurch kann er Müll verstreuen und in bestimmten Fällen auch Schäden verursachen. Die Broschüre weist außerdem auf mögliche Krankheitsübertragungen hin. Deshalb sollten Mülltonnen sicher verschlossen und Lebensmittel, Tierfutter sowie andere Nahrungsquellen nicht frei zugänglich sein.
Ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben lässt sich deshalb vor allem durch Vorbeugung, Abstand und den verantwortungsvollen Umgang mit Nahrungsquellen erreichen. Auch mögliche Zugänge zu Gebäuden sollten verschlossen werden. So lassen sich Konflikte vermeiden. Bei Problemen sollte fachkundige Hilfe, etwa durch das Ordnungsamt, die Polizei oder den zuständigen Jäger, hinzugezogen werden.
Das Auftreten von Wildtieren in Städten ist eine Herausforderung und erfordert eine gewissen Anpassungsleistung der Tiere. Wer die Lebensweise der Tiere kennt, bzw. sich mit dieser vertraut macht, kann viele Konflikte bereits im Vorfeld vermeiden.
Quelle: „Wilde Wohngemeinschaften – Wildtiere in der Stadt und ihre Folgen“
Um heimische Arten vor Prädation zu schützen, ist ein Prädatorenmanagement sehr wichtig. Eine gezielte Raubwildbejagung wirkt sich positiv auf Brutvögel, Amphibien und Kleinsäuger aus.
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Fangjagd – aktiver Artenschutz: https://www.youtube.com/watch?v=hpfBgIBFrr0
Auswirkungen der Raubwildbejagung auf geschützte und gefährdete Arten
Waschbären sind in der Lage sich auf bestimmte Nahrungsquellen zu spezialisieren und üben auf diese einen sehr großen Druck aus. Wird der Waschbär in einem Gebiet effektiv bejagt, sollte sich der Prädationsdruck auf die Arten verringern und diese können ihre Bruten/Jungtiere mit einer größeren Erfolgschance durchbringen. Durch die Bejagung soll eine Spezialisierung auf bestimmte Nahrungsquellen verhindert werden. Den Waschären auszurotten wird nicht mehr funktionieren, jedoch kann die Population der Kleinbären drastisch reduziert und ein sinngemäßes Management entwickelt werden. Anderes Raubwild spezialisiert sich nicht so, wie es Waschbären in manchen Gebieten tun. Jedoch ist auch ihr Einfluss auf gefährdete und geschützte Arten nicht zu leugnen, daher sollte alles Raubwild bejagt werden.
Die Annahme, dass sich die Bestände jener Tiere erholen, die zum Nahrungsspektrum der Prädatoren zählen, erscheint bei einer intensiven Bejagung der Waschbären und des Raubwilds als plausibel. Die Ursache für die negativen Entwicklungen, die derzeit bei zahlreichen Niederwild-, Singvogel-Beständen und Amphibien zu beobachten sind, ist nicht allein auf den Waschbären zurückzuführen. Es ist jedoch unbestreitbar, dass 1,6 Millionen invasive Prädatoren, die erst seit weniger als 100 Jahren in diesem Gebiet anzutreffen sind, einen gravierenden Einfluss ausüben. Eine Analyse der Jagdstrecke der Waschbären (4.189), der Rotfüchse (26.137) und der Dachse (5.241) des Jagdjahres 2024/25 (einschließlich Fallwild) zeigt, dass die Zahl der erlegten Waschbären relativ gering ist, obwohl deren Population vergleichsweise hoch ist. Die Ansitzjagd auf den Waschbären ist im Vergleich zur Jagd auf den Rotfuchs als deutlich herausfordernder zu bewerten. Daher ist es von essenzieller Bedeutung, dass vermehrt Jägerinnen und Jäger dazu motiviert werden, aktiv Fallenjagd zu betreiben. Nur so kann eine effektive Reduktion sämtlicher Prädatoren gewährleistet werden.
Luchs und Wolf: unterschiedliche Lebensraumansprüche
Luchs und Wolf sind hinsichtlich ihrer Lebensraumansprüche, ihrer Jagdweisen und ihres Beutespektrums, aber auch im Hinblick auf zu erwartende Nutzungskonflikte zwei völlig unterschiedliche Tierarten. Ferner unterscheiden sie sich auch, was die ökologische und rechtliche Bewertung betrifft. So ist der Wolf zwar – wie der Luchs – streng geschützt; er unterliegt aber nicht dem Jagdrecht und den sich daraus ergebenden Verantwortlichkeiten.
Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz (LJV) ist der Meinung, dass die Lebensräume in Rheinland-Pfalz für den Aufbau von eigenständigen Wolfspopulationen für gänzlich ungeeignet ist. Die sich aus einer Zuwanderung ergebenden Problemlagen für den Wolf selbst und den Menschen hält der LJV – unabhängig von jagdlichen Interessen – für noch wenig durchdacht. Dennoch – oder vor allem deshalb – braucht Rheinland-Pfalz bereits heute einen flexiblen Wolfsmanagementplan, der Jäger*innen und andere Betroffene in die Lage versetzt, mit den hierzulande zunehmend durchziehenden Einzelwölfen fachlich richtig umgehen und sichere, abgestimmte Entscheidungen treffen zu können. Deshalb bringt sich der LJV konstruktiv kritisch beispielsweise in den “Runden Tisch Wolf“ beim Ministerium ein.
Hier finden Sie die Positionen des LJV zu Wolf und Luchs:
Aktuelle Position des LJV zum Wolf
Aktuelle Position des LJV zum Luchs
Der Feuersalamander im Revier
Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist eine typische Art naturnaher Waldlebensräume. Er benötigt feuchte Laub- und Mischwälder, Quellbereiche, Waldbäche sowie strukturreiche Bereiche mit Totholz und Laubauflage.
Eine besondere Gefahr für die Art ist die Salamanderpest (Bsal – Batrachochytrium salamandrivorans). Der Salamander-Chytridpilz kann über Schuhe, Fahrzeuge, Geräte und Wasser zwischen Lebensräumen verschleppt werden.
Was können Jäger tun?
1. Feuersalamander nicht gefährden
✓ Tiere nicht anfassen oder umsetzen
✓ Fundorte möglichst nicht betreten oder verändern
✓ Beobachtungen dokumentieren (Foto, Datum, Standort)
✓ Sichtungen und Auffälligkeiten melden
2. Hygiene im Revier beachten
Um eine Verschleppung von Bsal zu vermeiden:
✓ Stiefel, Reifen und Ausrüstung nach Einsätzen in feuchten Bereichen reinigen
✓ Bei Revierwechseln oder Gewässerwechseln auf gründliche Reinigung achten
✓ Keine Tiere, Larven oder Wasser zwischen Gewässern transportieren
✓ Fahrzeuge nicht unnötig durch Quellbereiche, Bachläufe oder nasse Senken bewegen
3. Lebensräume erhalten
Besonders wertvoll sind:
✓ Quellbereiche und kleine Waldbäche
✓ feuchte, strukturreiche Waldbestände
✓ Totholz und natürliche Verstecke
✓ ungestörte Boden- und Laubbereiche
Daher:
✓ Totholz möglichst belassen
✓ Feuchtstellen und Bachränder schonen
✓ Eingriffe in sensible Bereiche vermeiden
4. Aufmerksamkeit bei der Jagdausübung
Gerade bei feuchter Witterung und in der Dämmerung:
✓ Wege und Rückegassen aufmerksam befahren
✓ Auf Amphibien auf Fahrspuren und Wegen achten
✓ Bekannte Vorkommen im Revier berücksichtigen
✓ Revierarbeiten in sensiblen Bereichen vorher kontrollieren
Quellen: Universität Trier, Stiftung Natur und Umwelt, ArtenFinder

