Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

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Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Die Schwarzkittel im Feld

Auch in diesem Jahr wurden im Lehrrevier einige Rapsfelder direkt neben Weizen-, Hafer- oder Zuckerrübenschlägen bestellt. Was nicht nur uns im Lehrrevier, sondern vielen Jägern in RLP oft schlaflose Nächte bereitet. Wenn im Sommer das Schlaf- und Wohnzimmer der Sauen, direkt neben dem Esszimmer liegt, ermöglicht dies den Schwarzkitteln dort, ohne über Freiflächen ziehen zu müssen, 24 Stunden am Tag in Ruhe zu fressen und immense Schäden zu verursachen. Objektiv gesehen, stellt dies natürlich einen Fehler in der „Wohnungsplanung“ dar. Sicher ist es in der betriebswirtschaftlichen Planung eines Landwirts nicht immer möglich darauf zu

achten, dass Raps nicht neben Weizen oder ähnlich schadensanfälligen Feldfrüchten angelegt werden, so z.B. wenn Nachbaräcker nicht vom selben Landwirt bewirtschaftet werden. Dennoch könnten und sollten auch hier die gemeinsamen Interessen der Landwirte und Jagdpächter, den Wildschaden so gering wie möglich zu halten, umgesetzt werden. Besprechen Sie dies doch in den nächsten Wochen einmal zur Vorbeugung gegen kommende Schäden. Schlagen Sie den Landwirten anlässlich ihrer Wildschadensverhandlungen vor Ort einmal vor, künftig, anstelle der vom Schwarzwild bevorzugten Ackerkulturpflanzen Weizen, Hafer, Kartoffel o.ä., Gerste oder „Grannenweizen“ als Nachbarkultur einzusäen. Durch die Grannen werden diese Flächen nicht zum Esszimmer, sondern werden zum eher nur zum Durchziehen genutzt.
 

Weizen-Raps
Weizen bis an den Rapsacker - der kurze Weg ist verlockend.

Was auch die Attraktivität des Rapsackers reduziert. Sollten dennoch die Sauen in den Äckern sein, wird eine Wildschadenleiter aufgestellt und von der dann auch das ein oder andere Stück Schwarzwild erlegt werden kann.
Wobei gerade im Sommer immer zu bedenken ist, dass das Erlegen von Schwarzwild in den Getreideschlägen nicht so einfach ist. Es kann eine säugende Bache sein, die nur ihr Haupt aus dem Getreide streckt. Wer in der Annahme schießt, er habe ein männliches Stück, nur weil man mal gehört hat, dass ein langes Haupt eher eines einer Bache sei und ein kurzes dies eines Keilers, handelt nicht nur fraglich, sondern grob fahrlässig, sowie tierschutzrechtlich sehr bedenklich. Denn, wer nach § 32 Abs 4 Satz 1 LJG RLP ein Elterntier erlegt (Muttertierschutz), begeht eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe oder Geldstrafe geahndet wird.
Um dieses zu umgehen, besteht nach § 37 LJG, auch die Möglichkeit, Wild von schadensanfälligen Flächen zu vertreiben. Dem Jäger wird nach § 13 Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Waffengesetz (WaffVwV) vom 5. März 2012 weiterhin gestattet, Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen innerhalb des Jagdreviers und im Rahmen der befugten Jagdausübung (z. B. Jagdhundeausbildung, Wildschadensverhütung, Jagdschutz) zu führen und mit ihnen zu schießen. Selbstverständlich gilt dies nicht für Orte, an denen gem. § 24 Abs. 1 LJG RLP die Jagd nicht ausgeübt werden darf.
Nutzen Sie jede Möglichkeit um das Schwarzwild aus den Schad-Flächen zu vertreiben. Hierzu läuft man in den Dämmerungsstunden im Feld, entlang der „Raps-Einstände“. Gelingt es bei dieser Pirsch, einen Frischling zu erlegen, ahmt man direkt nach dem Schuss den Klagelaut einer Sau nach. Dann wird diese Rotte das Feld verlassen. Wenn sich keine Möglichkeit bietet, weil sich die Sauen nicht nach Alter und Geschlecht ansprechen lassen, besteht die Möglichkeit mit der Schreckschuss-Patrone (bei Winzern bekannt zum Vertreiben von Staren aus den Weinbergen), die Sauen aus den schadensanfälligen Feldern zu vertreiben.
 

Wildschadensleiter

Primäres Ziel muss es jedoch sein, möglichst das Schwarzwild zu erlegen. Bedenken Sie alle ihre Möglichkeiten den Schwarzwildbestand abzusenken. Vom Erlegen des kleinen Frischlings, bis zur revierübergreifenden Gesellschaftsjagd. Schauen Sie noch einmal in das Handlungsprogramm. Nutzen Sie jede Möglichkeit sich mit Ihren Verpächtern und Landwirten auszutauschen, um Möglichkeiten der Wildschadensverhütung und -minimierung zu besprechen. So bleibt die Freude an der Jagd erhalten der Ärger über Wildschäden wird weniger.

Wildmeister Christoph HILDEBRANDT, LJV-Landesjagdschule
 

Von der Wildschadensleiter aus lassen sich die Sauen auf dem Weg zum Weizen gut “abfangen”.

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