Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Themenüberblick

Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Raubwildbejagung / Fuchsbejagung ist Naturschutzarbeit

Dabei werden im Wesentlichen zwei Begründungen immer wieder genannt: „Wir wollen uns auf das Schalenwild konzentrieren“, die ggfs. anfallenden Nachsuchen auf den Fuchs binden dabei ´unnötige´ Kapazitäten.

Wer als Jagdpraktiker jedoch einmal erlebt hat, wie gerne und intensiv viele Hunde auch und gerade den Fuchs im Treiben jagen, muss sich sicher auch hier bereits unweigerlich die Frage nach den „Kapazitäten“ stellen. Zudem sind in aller Regel diejenigen Hunde, die zur Verlorensuche auf den Fuchs eingesetzt werden, andere, als die Schalenwildspezialisten aus dem Schweißhundelager.

Darüber hinaus liegen die Beweggründe der Nichtfreigabe in der möglichst „komplikationslosen“ Umsetzung waldbaulicher Ziele, da wohl der Fuchs der im Wald zu Schaden gehenden Mäusepopulation entgegen treten soll! Wer sich allerdings einmal mit der Populationsdynamik der Mäuse einerseits und der des Fuchses andererseits befasst hat, dem wird schnell klar, dass der Fuchs die diesbezüglich in ihn gesetzte Hoffnung gar nicht erfüllen kann.

Zudem brauchen auch Arten wie die Waldschnepfe und weitere Bodenbrüter des Waldes die Unterstützung der Jäger. Eine konsequentere Bejagung des Fuchses auch im Wald, würde die Feldrevierpächter, welche sich mit den immer ungünstigeren Lebensbedingungen für Hase, Fasan, Wachtel, Rebhuhn und Co auseinandersetzen müssen, schließlich deutlich entlasten.

Nachdem die Tollwut im Jahr 2006 zuletzt erfolgreich eingedämmt wurde steigen die Fuchsdichten auf ein nicht verträgliches Maß. Im Lehrrevier erlegen wir nun seit 4 Jahren durchschnittlich 16 Füchse auf 100 ha. Bei einer nächtlichen Aktivitätsstrecke des Fuchses von durchschnittlich 8,5 km wird deutlich, dass hier Jungtiere der bodenorientierten Arten kaum eine Überlebenschance haben.
 

Von all unserm Raubwild, welches die bodenorientierten Arten prädiert, ist auf Grund seiner Dichte und Populationsdynamik, der Fuchs ein Schlüsselfaktor – nicht nur für uns Jägerinnen und Jäger. Die Jägerschaft sollte daher zumindest so lange nicht über die nicht dem Jagdrecht unterliegenden Beutegreiferarten und deren möglichen Einflüsse diskutieren, bis sie beim Fuchs nicht alle Möglichkeiten einer konsequenten Bejagung umgesetzt hat.

In den letzten Monaten fanden beispielsweise nicht nur in Rheinland Pfalz

regelmäßig Gesellschaftsjagden im Wald statt, die regelmäßig der Erfüllung der Abschussvorgaben der verschiedenen Schalenwildarten gelten. Häufig war hier bei der Freigabe zu hören, der Fuchs sei „heute nicht freigegeben“.
 

Fuchs

In den Wintermonaten sollten Jäger einen Schwerpunkt auf die Fuchsbejagung legen. Foto: Erwin Heinen.

Fasan im Schnee
Paarhühner im Lehrrevier Weinsheim_neu

Bodenbrüter wie Fasane und Rebhühner sind durch hohe Fuchsdichten bedroht.
Fotos: Erich Seibel (Fasan) und Christoph Hildebrandt (Rebhühner).

Viele Projekte in Europa, und sogar darüber hinaus, haben aufgezeigt, dass der Einfluss des Fuchses vor allem zur Aufzuchtzzeit seiner Jungen am größten ist. Hierzu sei auf drei Zitate hingewiesen:

• „Von allen Prädatoren verursacht der Fuchs die größten Verluste….“ (Rebhuhn-Schutzprojekt im Landkreis Göttingen, organisiert und wissenschaftlich begleitet von der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e.V. und der Universität Göttingen, Zentrum für Naturschutz)
• „Die Wiesenweihenschutzgruppe schreibt: Juli 2008, die Brutsaison nähert sich ihrem Ende. In diesem Jahr gab es in Mainfranken fast so viele Brutpaare wie im letzten Jahr, aber unter den geschlüpften Jungvögeln müssen wir im Moment fast täglich neue Verluste feststellen. Die Jungvögel fallen häufig Räubern, wie zum Beispiel Füchsen, zum Opfer. In den seltensten Fällen können wir mit Sicherheit sagen, welcher Räuber die Jungvögel getötet hat, denn sie hinterlassen wenig Spuren. Schon jetzt kann man sagen, dass die Anzahl der ausgeflogenen Jungvögel weit hinter den Ergebnissen vom Vorjahr zurückbleiben.“ (Homepage Landesbund für Vogelschutz Bayern)
• „Nachtaktive Säuger wie Fuchs und Wildschwein, deren Bestände stark und flächendeckend zugenommen haben, haben offensichtlich einen größeren Einfluss auf die Gelegeverluste der Bodenbrüter. Entfernt man Füchse und andere Säugerarten durch Inseln und Zäunung aus dem Brutgebiet, können sich die Bodenbrüter deutlich erfolgreicher fortpflanzen und ihre Population erhalten. In beeinträchtigten Lebensräumen können Beutegreifer den Bodenbrütern sehr wohl empfindlich zusetzen, wie das beispielsweise bei Wiesenvögeln mehrfach nachgewiesen wurde.“ (Joachim Jenrich, von der Ökogruppe Bodenbrüter, organisiert im Bundesamt für Naturschutz, Deutschland und dem Bundesamt für Umwelt Schweiz)
 

Diese drei nicht jagdlich orientierten Veröffentlichungen beschreiben eindrücklich den Einfluss des Fuchses insbesondere zur Aufzuchtzeit der Bodenbrüter, der Zeit nämlich, in der auch der Fuchs seine Nachzucht groß zieht.

Bereits aber der Monat Februar ist ein Schlüsselmonat. Jeder nun erlegte weibliche Altfuchs wird keine Jungfüchse mehr wölfen und somit auch keinerlei Wildtiere zur Fütterung seines Nachwuchses heranschleppen. Jetzt im Februar, mit den Möglichkeiten der intensiven Ansitzjagd auf Fuchs, am Pass oder am Luderplatz oder mittels der Baujagd, kann gehandelt werden, sind die Fuchswelpen erst geboren, verbieten dagegen die gesetzliche Schonzeit und die Grundsätze unserer Weidgerechtigkeit die Bejagung der Elterntiere.

Die nächste Möglichkeit besteht dann wieder gegen Ende April, sobald die Jungfüchse am Bau aktiv werden; nun ist die Zeit, die Jungfüchse intensiv zu bejagen, sei es mit der Jungfuchsfalle oder durch die Erlegung am Bau direkt. Dabei liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Unterstützung der Wildtiere allerdings darin, dass alle Jungfüchse eines Geheckes erlegt werden. Erst dadurch kann der Beutetrieb der Altfüchse zum Erlöschen gebracht werden.

Unterstützen Sie auch als Waldjäger die Jägerschaft der Feldreviere, wie auch die Feldjäger Sie in den letzten Monaten an den Gesellschaftsjagden bei der Erlegung Ihres Schalenwildes unterstütz hatten. Überdenken Sie bitte auch bei der Planung der kommenden Drück- und Treibjagdsaison die Freigabe des Fuchses.

Viele Wildtiere werden es Ihnen danken, indem Sie auch diese Arten wieder in dem Lebensraum Feld in Anblick bekommen.

Wildmeister Christoph HILDEBRANDT, LJV-Landesjagdschule

Für zwei Jungfüchse, welche noch keine feste Nahrung zu nehmen sich können, wurden 42 Junghasen, drei Althasen, eine Ente und ein Fasan beigetragen. Foto: P. Weiß

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