Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Erstversorgung beim Jagdhund

Sowohl im täglichen Leben als auch im regelmäßigen jagdlichen Einsatz passieren immer wieder Zwischenfälle, die kleinere oder schwerwiegendere Verletzungen unserer vierbeinigen Jagdgehilfen zur Folge haben. Jeder Hundeführer sollte daher in der Lage sein, derartige Verletzungen zumindest notdürftig zu versorgen, bevor der gang zum Tierarzt angetreten wird.

Da Verletzungen nicht immer äußerlich sofort erkennbar sind, ist es wichtig, zunächst einmal den „Normalzustand“ des Hundes zu kennen, um Abweichungen hiervon feststellen zu können.

So beträgt die normale Herzfrequenz bei Hunden ca. 80-120 Schläge/min
 

Zobel

(gemessen am besten an der Innenseite der Hinterläufe), die Atemfrequenz 15-30 Atemzüge/min. Die Normaltemperatur beim Hund liegt zwischen 38,5 und 39°C.

Vergleichsweise einfach ist die Feststellung äußerer bzw. offener Verletzungen. Je nach Art und Schwere der Verletzung empfiehlt es sich, zunächst den Kreislauf des Hundes zu kontrollieren um festzustellen, ob zusätzlich zur Verletzung auch ein Schock vorliegt, der die oben genannten Werte i.d.R. erhöht. Zeichen für ein Schock sind Zittern, Schwäche, eine Erhöhung der Atemfrequenz und Apathie. Auch durch Druck auf das Zahnfleisch lässt sich ein Schockzustand feststellen, da die Druckstelle nur verzögert wieder durchblutet wird.

In diesem Fall ist alles zu unterlassen, was den Schockzustand verschärft. Stress – auch der des Hundebesitzers – verschlimmert die Situation, daher sollten alle Maßnahmen ruhig und zügig durchgeführt werden. Wichtig ist es, den Hund warm zu halten, ohne dabei allerdings von außen zusätzliche Wärme zuzuführen (z.B. durch eine Heizdecke).

Droht der Kreislauf zu kollabieren, muss eine Wiederbelebung eingeleitet werden; hierzu ist eine Beatmung (durch die Nase, bei fixierter Zunge) bzw. eine Brustkorbmassage (ca. 20 Pumpbewegungen /15 sec. bei vier Wiederholungen) die richtige Maßnahme.

Anschließend ist die Ursache des Schocks möglichst zu beseitigen, Blutungen zu stoppen oder eine weitere Giftaufnahme zu verhindern.

Müssen äußere Verletzungen direkt versorgt werden, sollte der Hund zur Sicherheit so fixiert werden, dass ihm ein Zubeißen nicht möglich ist, hilfreich ist hier eine Fangsperre mithilfe einer Mullbinde.

Dringend abzuraten, ist von einer Selbstmedikation, möglicherweise mit Medikamenten aus dem Humanbereich, denn oft sind derartige Medikamente für Hunde ungeeignet oder gar schädlich.

Hat der Hund Fremdkörper aufgenommen so kann Sauerkraut verfüttert werden was sich um den verschluckten Gegenstand wickelt und so keine Verletzungen anrichten kann. Bei spitzen Gegenständen die verschluckt wurden, ist ein Erbrechen lassen jedoch zu vermeiden, da durch das Hochwürgen Verletzungen an der Speiseröhre entstehen können.

Bei einem Hitzschlag muss die Körpertemperatur gesenkt werden. Dazu werden dem Hund feuchte Umschläge gemacht, er wird in den Schatten gebracht und es wird ihm reichlich Wasser zur Verfügung gestellt. Keinesfalls sollte er in kaltes Wasser geworfen werden da so ein Kreislaufkollaps und somit ein Herzstillstand riskiert wird.

Grundsätzlich ist jedem Hundeführer zu empfehlen, sich bei einem Tierarzt über die oben genannten Maßnahmen noch einmal intensiv zu erkundigen und evtl. eine diesbezügliche Schulung zu besuchen. Auch ist das Mitführen einer vom Tierarzt zusammen gestellten Notfalltasche sinnvoll, mit deren Inhalt die Maßnahmen unterstützt werden können.

                                                                                                Robert ACKERMANN, Leiter der LJV-Beratungsstelle

Erntejagden an Mais- und Rapsflächen

Die Erntejagd an Mais- und Rapsflächen im Sommer birgt für uns Jäger sehr viele Ge-fahren in sich. Daher sollte nicht die Strecke an erster Stelle stehen, sondern die höchstmögliche Sicherheit der Beteiligten und die Vermeidung weiterer Wildschäden.

Rapsernte

Die Tatsache, dass die meisten Sauen im Rahmen der Einzeljagd/Kirrjagd erlegt werden, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gesellschaftsjagden im Winter sowie Erntejagden an Raps- und Getreideflächen im Sommer eine wichtige Möglichkeit darstellen, um die Schwarzwildstrecke zu steigern. Vor allem bei der Erntejagd ist dabei eine gute Zusammenarbeit zwischen Jäger und Landwirt von größter Bedeutung.

Da eine genaue Planung und eine gute Vorbereitung für die Jagd am Mais oder Raps sehr wichtig sind, sollte der Landwirt den Jäger so rechtzeitig wie möglich vor der Ernte informieren. Noch bevor der eigentliche Termin feststeht, muss der Jagdpächter eine Vielzahl von Aspekten bedenken, um mögliche Gefahren zu vermeiden und trotzdem den Erfolg zu optimieren. Die wichtigsten Punkte sind:

Wildschadensleiter

• Wo wechselt das Schwarzwild ein und aus?

• Welche Fernwechsel werden möglicherweise angenommen?

• Wo sind die Schützen bei der Jagd zu platzieren?

• Welche Gefahrenbereiche sind zu beachten?

• Wo sind – zur Gefahrenminimierung – Drückjagdböcke oder Wildschadensleitern aufzustellen?

• Können Reviernachbarn mit eingebunden werden?

• Welche Schützen sind einzuladen?

• Sind brauchbare Hunde für die Nachsuche vorhanden?

• Wie ist die Freigabe?

• Telefonliste mit wichtigen Telefonnummern vorbereiten sowie markante Rettungspunkte im Revier notieren.

• Wie ist die Wildversorgung optimal zu gestalten?

Steht die Planung zur Erntejagd, sollte der Revierinhaber verantwortungsvolle Jäger so frühzeitig wie möglich über die anstehende Ernte informieren

Die sicherste Jagdstrategie bei einer Erntejagd ist, die Fernwechsel im Wald abzustellen. Das hat den Vorteil, dass die Stücke, ruhig ziehend, genauer angesprochen werden können, was eine Verwechselung von führenden und nicht führenden Stücken verhindern sollte. Sind die Fernwechsel des Wildes nicht bekannt, können Drückjagdböcke oder Wildschadensleitern um den Getreideschlag aufgestellt werden. Wer auf solch einer Einrichtung steht oder sitzt, hat in den meisten Fällen einen besseren Kugelfang.

Jage_am_Schlag

Die Ansitzeinrichtungen sollten in einer Linie um den Schlag platziert werden. Wenn das Gelände es zulässt, ist die Positionierung der Schützen direkt auf dem Boden stehend möglich. Diese Variante birgt jedoch stets die Gefahr, dass möglicherweise der Kugelfang eingeschränkt ist. Zu beachten ist, dass alle Schützen grundsätzlich nur nach außen schießen. Die Jäger müssen nach jeder geernteten Schnittbreite, sofort an den Getreideschlag nachrücken.

Grundsätzlich gelten auch bei der Erntejagd die Vorgaben für eine Gesellschaftsjagd, d. h., dass alle Beteiligten entsprechende Signalkleidung (Signaljacke, rote Warnweste o. ä.) tragen müssen.

Jeder Schütze hat sich nach Einnehmen des Standes mit seinen Nachbarn zu verständigen. Stände und Plätze dürfen erst verlassen werden, wenn das Feld abgeerntet ist. Sollten während der Ernte eventuell Sitze oder Einrichtungen umgestellt werden müssen, herrscht während dieser Zeit „Hahn in Ruh“.
 
Da jeder Schuss auf flüchtiges Wild nicht nur ein sicherheitstechnisches Risiko ist, sondern unter Umständen auch eine Straftat (Erlegung eines Elterntieres) zur Folge haben kann, sollte die Freigabe auf Frischlinge (!) oder sicher angesprochene männliche Überläufer beschränkt bleiben. Füchse und anderes Schalenwild sollten bei der Erntejagd nicht frei gegeben werden.

                                                                                                                            Revierjäger Robert ACKERMANN
 

Wildschadensschätzung beim Silomais

Die gefährlichste Zeit für den Silomais beginnt mit der frühen Milchreife des Kolbens in den ersten Herbstmonaten. Geht Schwarzwild im Mais zu Schaden, muss zunächst die Größe der geschädigten Fläche vor der Ernte ermittelt werden.
 
Bei kleineren Maisschlägen ist die Schadensermittlung zwar mit einem erheblichen Aufwand, dafür aber sehr genau möglich. Bei großen, zusammenhängenden Maisschlägen von mehreren Hektar ist eine Bestandsaufnahme in der stehenden Maiskultur meist nicht möglich. Insbesondere wenn es sich um viele verteilt liegende Schadflächen handelt, ist der Arbeits- und Zeitaufwand kaum zu vertreten. Hier hilft nur ein exaktes Vermessen der „schweinischen Kriegsschauplätze“ nach der Ernte.

Zum Zeitpunkt der Ernte ist der Grünmasse-Ertrag, Trockenmasse-Ertrag und Energie-Ertrag des Silomaisbestandes zu ermitteln. Dadurch ergibt sich eine Schadenshöhe, die den tatsächlichen Verlust – und damit Schaden – real wiedergibt.
 
Dazu werden mindestens vier Teilflächen mit jeweils zehn Quadratmetern geerntet und gewogen. Diese vier Erhebungsgrößen können in der Nähe von Schadstellen entnommen werden und sollen repräsentativ die Ertragsleistung des unbeschädigten Bestandes aufzuzeigen. Bei einem Reihenabstand von 75 Zentimetern müssen vier verschiedene Maisreihen von 13,33 Metern Länge, bei einem Reihenabstand von 50 Zentimetern vier Maisreihen von 20 Metern Länge ausgewertet werden. Bei einem Reihenabstand von 30 Zentimetern sind es vier Reihen von 33,30 Metern Länge. Natürlich kann man auch jeweils zwei nebeneinander liegende Maisreihen mit der halben Reihenlänge ernten und wiegen. Das Ergebnis ist der Grünmasse-Ertrag pro Hektar als Ausgangsbasis für alle weiteren Berechnungen.

Ein Rechenbeispiel:

Die Proben A mit 47 kg/m2, B mit 38 kg/m2, C mit 53 kg/m2 und D mit 42 kg/m2 ergeben hochgerechnet 45.000 kg/ha Grünmassenertrag. Ist beim Erntezeitpunkt von einer Gesamtpflanzentrockensubstanz von 30 Prozent auszugehen, ergibt es ein Trockenmasse-Bruttoertrag von 13.500 kg. Davon sind rund 15 bis 20 Prozent Verluste unter anderem durch Ernte, Sickersaft, Silieren und Transport abzuziehen. Dieses Beispiel geht von 20 Prozent Verlust aus: 13.500 kg minus 20 Prozent ergibt 10.800 kg Trockenmasse-Nettoertrag. Der Energiewert der Silage wird in Mega-Joule-Netto-Energie-Laktation (MJNEL) berechnet. Er beträgt durchschnittlich 6,2 MJNEL pro kg Trockenmasse-Nettoertrag. Für das genannte Beispiel ergibt die Rechnung also: 10.800 kg/ha mal 6,2 MJNEL/kg ergibt 66.960 MJNEL/ha Energieertrag.

Nach den Richtsätzen zur Bewertung von Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz werden für ein MJNEL 0,02 € angesetzt. Für das Rechenbeispiel ergibt sich daraus (66.960 MJNEL/ha mal 0,002 Euro) 1.339,20 € pro Hektar. Ist ein tatsächlicher Schaden von 1.200 Quadratmeter ermittelt worden, ergibt sich ein zu zahlender Wildschaden von 160,70 €.

Da Wildschäden sich wohl nie gänzlich vermeiden lassen, sollte an erster Stelle immer die Vermeidung beziehungsweise Verminderung stehen.

                                                                        Wildmeister Peter ENGEL, Revieroberjäger Christoph HILDEBRANDT

 
 

Wipprohrfalle im Einsatz

Im Sommer bauten wir im LJV-Lehrrevier eine weitere Betonrohrfalle ein. Neben der bekannten Betonrohrfalle nach Dr. Spittler (Auslöser über eine Y-Gabel) wurde nunmehr ein Fabrikat mit einem neuen Auslösemechanis mus (Auslösung über ein flächenbündiges Wippbrett) nach Eggert Dose (www.wipprohrfalle.de) verwendet.

Die Erfolge, die mit dieser Falle seit dem 1. August erzielt werden konnten, in sind absolut überzeugend. Innerhalb von nur fünf Tagen konnten vier Prädatoren gefangen werden.
 

Grundvoraussetzungen für solche Fangerfolge, sind – neben einer funktionsfähigen Falle – der richtige Standort, ein Zwangspass und die ganzjährige Beköderung der Falle. Hinsichtlich der Wahl des passenden Standorts bieten sich insbesondere Heckenstreifen an, die nicht nur der Biotopvernetzung in der ausgeräumten Agrarlandschaft dienen, sondern gleichzeitig Anziehungsmagnete für das Raubwild bilden.

Der korrekte Aufbau der Falle ist zwar zeitintensiv, jedoch steigt der Erfolg bei entsprechend „sauberer“ Arbeit deutlich an. Man benötigt 14 Waschbetonplatten (50 x 50 cm), 6 Betonröhren (100 cm Länge, 30 cm Durchmesser), das eigentliche Fallengestell (mit Wippfunktion) sowie eine Holzkonstruktion zum Schutz der Falle. Es ist wichtig, dass die Betonplatten gerade und absatzfrei verlegt werden. Dabei bietet sich ein Sandunterbau an, der die Arbeiten erheblich erleichtert.

Anschließend werden die Fallenkonstruktion darauf ausgerichtet und die einzelnen Betonröhren ausgelegt. Das Betonrohr in der Mitte der Falle lagert auf einer Wippkonstruktion und fungiert somit als Auslöser der Falle.

Die Außenkonstruktion wird so errichtet, dass keine funktionsstörenden Fremdkörper unter das Wipprohr gelangen können. Im Lehrrevier haben wir uns für einen Holzkasten mit Ondulineplatten entschieden, der – neben der zuvor genannten Funktion – auch als Wetterschutz dient und verhindert, dass Nagetiere Schmutz hineintragen.
 

Am Schluss fehlt nur noch ein Zwangspass. Je länger dieser ist, desto größer ist der Fangerfolg. Er sollte mittels Pfählen und Zaun so errichtet werden, dass er von beiden Außenseiten der Hecke V-förmig zur Falle verläuft. Hat sich Raubwild in der Falle gefangen, wird ein Fangkorb von einer Seite bis zum Schieber geführt. Nach Öffnen des Schiebers wechselt das gefangene Stück in den Fangkorb und kann mit diesem entnommen werden.

In den Sommermonaten bestücken wir alle Fallen mit Angelködern („Fischboilis“). Diese führen fast immer zum Erfolg. In den Wintermonaten arbeiten wir dagegen lieber mit Enten- bzw. Gänsegescheide. Wir werden am Ende der diesjährigen Jagdsaison über unsere weiteren Erfahrungen berichten.

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Für die anstehende Fangjagdsaison wünschen wir Ihnen viel Erfolg und Waidmannsheil!

Robert ACKERMANN, Revierjagdmeister

 

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