Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Die Salzlecke im Schalenwildrevier

Für viele Wildarten ist die Errichtung bzw. die regelmäßige Unterhalten einer Salzlecke fast wichtiger als eine Kirrung. Dies gilt für unsere Schalenwildarten ebenso, wie für Niederwildarten, wie Kaninchen oder Ringeltaube und so herrscht an Salzlecken im Revier ein stetiges Kommen und Gehen der vertretenen Tierarten. Die Frage, wieso dem so ist, wird dabei ebenso häufig an uns heran getragen, wie die nach der geeigneten Form.

Grundsätzlich sind in der pflanzlichen Äsung ausreichend Mineralien enthalten, zumal in den landwirtschaftlichen Bereichen durch die heutigen Kunstdüngergaben zusätzlich auch die verschiedenen Salze von den Pflanzen aufgenommen und angereichert werden können.

Vom wiederkäuenden Schalenwild werden gelösten Mineralstoffe für den Stoffwechsel benötigt, dies trifft insbesondere auf das Kochsalz zu, welches sich aus den Elementen Natrium und Chlor zusammengesetzt. Diese Bestandteile des Kochsalzes kommen im Blutserum, der Muskulatur und Speichel vor. Für die Verdauung im Magen der Wiederkäuer (Labmagen) ist Chlor ein wesentlicher Bestandteil, der Salzsäure bildet. Chlor ist darüber hinaus, neben Natrium und Calcium, maßgeblich für den reibungslosen Stoffwechselkreislauf notwendig. Allerdings ist eine Chlorunterversorgung bei Wildtieren bisher nicht bekannt.

 

Natriummangel dagegen senkt die Eiweiß- und Energieverwertung und kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Darüber hinaus steigt der Natriumbedarf von Tieren während des Haarwechsels und der Milchbildung stark an. Allerdings konnte nachgewiesen werden, dass Wiederkäuer ihren Nährstoffhaushalt, insbesondere hinsichtlich der Natriumversorgung so regulieren können, dass sie über längere Zeit hinweg ohne größere Natriumzufuhr auskommen können (Bubenik 1984).

Andererseits ist trotzdem mit jeder Salzlecke eine enorme Lockwirkung verbunden, die dazu führt, dass insbesondere unsere Schalenwildarten plötzlich viel häufiger sichtbar werden.

Eine zwingende Notwendigkeit für Salzlecken lässt sich also wissenschaftlich nicht begründen – im Gegenteil. Eine regelmäßige und überreiche Salzgabe – insbesondere in den Wintermonaten zwischen Oktober und April – kann vielmehr zu einer erhöhten Verbiss- und Schälbelastung der angrenzenden Bestände führen. Durch den erhöhten Salzgehalt steigt auch beim Wild die Notwendigkeit, den Salzgehalt durch eine zusätzliche Feuchtigkeitsaufnahme zu kompensieren. Dies erfolgt beim wiederkäuenden Schalenwild meist über die Aufnahme geeigneter Äsung, nur selten durch eigentliches Schöpfen. Da im Winter jedoch lediglich in Knospen und v.a. im Bast bzw. dem Kambium (die beiden Wuchsschichten zwischen der Borke und Splintholz eines Baumes) in wesentlichen Anteilen Feuchtigkeit verfügbar ist, ist eine erhöhte Verbiss- und Schälbelastung die logische Konsequenz.

Im Hinblick auf die Verbissbelastung in Waldrevieren sollte man Salzlecken daher grundsätzlich nur von Mai bis Juli und von September bis Oktober bestücken. Hat Schwarzwild die Möglichkeit, direkt an den Salzstein zu kommen, zerbeißt es diesen und nimmt das Salz komplett auf. Während das wiederkäuende Schalenwild recht unempfindlich gegenüber einer Salz-Überversorgung reagiert, kann es beim Schwarzwild zu einer Kochsalzvergiftung kommen, die das Nervensystem stört. Da sich auch der Fuchs gerne auf den Stocksulzen löst und dadurch die Gefahr der Krankheitsübertragung gegeben ist, sind die niedrigen Stocksulzen grundsätzlich abzulehnen.

In verschiedenen Artikeln werden Stangensulzen mit Blumentopf als Aufsatz bis hin zur ausgeschnittenen Stocksulze mit aufgefülltem Restsalz der Entkalkungsanlage beworben. Im Landesnaturschutzgesetz Rheinland Pfalz wird allerdings von einem Eingriff in die Natur gesprochen, wenn Hochsitze oder Wildfütterungsanlagen nicht an die Landschaft angepasst werden. Auch wenn die Salzlecke nicht als Fütterungsanlage zu sehen ist, sollten die oben beschriebenen Salzlecken aus den Revieren entfernt oder umgestaltet werden.

Egal ob Rot- oder Rehwildrevier, die folgende Salzlecke hat sich in der Praxis bewährt:

Salzlecke_klein

Ein trockener Baum wird in zwei Meter Höhe gefällt. Der Durchmesser sollte an der Fällstelle so gewählt werden, dass nachdem mit der Motorsäge der Kern herausgesägt wurde ein geviertelter Salzstein (ca. 2,5 kg schwer) hinein passt. Das Aussägen hat den Vorteil, dass der Stein nicht von Weitem zu sehen ist (Diebstahlsicherung). Auf ein Seitenteil wird ein Deckel befestigt, sodass das Salz nicht zu schnell ausgewaschen wird

Draufsicht_klein

Alternativ kann man auch einen Baumstamm von ca. 2,80 Meter Gesamtlänge 80 cm in den Boben eingraben, so dass ca. 2,00 Meter als Stangensulze zur Verfügung stehen. Diese Variante sollte jedoch nur in Revieren mit geringer Schwarzwilddichte gewählt werden, da die Schwarzkittel ansonsten die Salzlecke ausgraben werden.

            Christoph HILDEBRANDT,
          Leiter der Landesjagdschule

Die Betonrohrfalle – Fangerfolg nicht nur im Lehrrevier!

Es wird Herbst und damit (nicht nur im Niederwildrevier) höchste Zeit, die winterliche Fangjagdsaison vorzubereiten. Auf die Notwendigkeit der Fallenjagd und der Prädatorenbejagung wurde ja bereits mehrfach an dieser Stelle hingewiesen, die Argumente müssen daher nicht noch einmal wiederholt werden.

In den letzten Jahren hat sich zum Lebendfang, neben der „traditionellen“ Kastenfalle aus Holz, insbesondere die Betonrohrfalle in den Revieren etabliert, von der zurzeit mehrere Typen am Markt erhältlich sind.

Im Lehrrevier nutzen wir normalerweise die Betonrohrfalle nach Dr. Heinrich Spittler, deren Konstruktion sich bisher hervorragend bewährt hat und kaum verbesserungsfähig ist. Die Kosten belaufen sich auf ca. 230,- € für das Fallensystem, hinzu kommen noch vier Betonrohre zu insgesamt ca. 60,- €. Bedenkt man die praktisch unbegrenzte Haltbarkeit, lohnt sich die-se Investition.

Um einen guten Standort für die Falle im Revier zu finden, bedarf es keiner großen Bemühungen. Gute Standorte liegen z.B. in der Nähe von großen Naturbauanlagen, in denen Fuchs und Dachs gemeinsam sitzen; es sind insbesondere trockene Gräben oder Punkte im Revier, die gerne vom Raubwild angelaufen werden, z.B. (Pferde-)Misthaufen, Strohmieten und ähnliches.

Bestätigen lassen sich solche Punkte am Besten am Tag nach einem kräftigen Regen. Fuchs und Co. hinterlassen dann ihre Spuren. Und wenn sich entsprechende Nachweise mehrfach im Jahr führen lassen – und diese durch Sichtbeobachtungen zusätzlich bestätigt werden können – hat man den geeigneten Platz schnell gefunden.

Je nach Situation ist nun der Einbau mehr oder weniger aufwändig. Für den Einbau in die Er-de wird manchmal sogar ein Bagger benötigt. Hingegen reicht oft schon das Verblenden mit Strohballen.

Falle_mit_Stroh_vefrblendet

Wichtig ist, dass der Zugang zur Falle mit einem Zwangspass versehen wird. Ein probates Hilfsmittel ist Maschendrahtzaun, der das Raubwild in die Falle zu „zwingt“, denn der zu fangende Räuber darf nicht rechts oder links daran vorbeilaufen können.

Eine Beköderung mit Luder sollte nur erfolgen, wenn das Luder nicht gesehen werden kann (Greifvögel/Rabenvögel) und die Chance besteht, dass es innerhalb kürzerer Zeit angenommen wird. Empfehlenswert sind daher in diesem Fall das Ziehen einer Schleppe zur Falle hin und das Beködern mit lediglich kleinen Köderbrocken. Das Beködern kann bereits frühzeitig vor der Fangsaison beginnen und sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Die Fangjagdsaison beginnt im Spätherbst und kann bis Ende Februar anhalten.

Ist die Falle fängisch gestellt, kann sie mit einem „Wisch“ (Fanganzeiger) versehen und somit leicht – auch über größere Entfernung – kontrolliert werden.

Für das Aufstellen von lebend fangenden Fallen bedarf es im Jagdrevier keiner Genehmigung der unteren Jagdbehörde. Grundsätzlich zu berücksichtigen ist jedoch, dass nur Der- oder Diejenige eine Falle stellen darf, der/die entsprechend geschult ist. Dies trifft auf alle Jagdscheininhaber zu, die nach dem 1. April.1996 die Jägerprüfung absolviert haben. Alle anderen Jägerinnen und Jäger, die eine Falle stellen möchten, müssen sich nachschulen lassen. Hierzu bietet der LJV in jedem Jahr ein Seminar in der Landesjagdschule an.

Sollten Sie bezüglich der Standortwahl, geeigneter Fallentypen oder sonstiger Probleme Fragen haben, nutzen Sie den Revierberatungsservice des LJV. Wir kommen gerne zu Ihnen ins Revier und beraten Sie vor Ort.

                                                                                                           Christoph HILDEBRANDT, Landesjagdschule
 
 

Erfolgreiche Bewegungsjagden

Ein Plus an Sicherheit und Jagderfolg bei den herbstlichen Drück- und Stöberjagden ergibt sich aus einer guten und gründlichen Vorbereitung. Die Beachtung der nachfolgenden Tipps und Hinweise bietet hierzu die geeignete Grundlage.

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- Termin zeitig festlegen; eventuell mit Reviernachbarn abstimmen, revierübergreifende Stöberjagden erhöhen den Jagderfolg.

- Frühzeitig für brauchbare Hunde sorgen (spur- oder fährtenlaute Stöberhunde, Nachsuchegespanne).

- Hundeversicherung für die eingesetzten Hunde abschließen und Tierarztpraxis mit Rufbereitschaft abklären.

- Einladungen frühzeitig versenden. Die Einladung sollte enthalten: vorgesehener Zeitplan der Jagd, Treffpunkt (Anfahrbeschreibung), freigegebenes Wild, Verpflichtung zum Tragen von Warnbekleidung, Notwendigkeit von eigenen Sitzgelegenheiten, Zusatzkosten (z.B. Hundeversicherungsobolus), Schüsseltreiben (Anfahrbeschreibung), Termin für Rückmeldung (incl. Teilnahme am Schüsseltreiben).

- Ortskundige Jäger als Ansteller, Treiberführer und Wildbergetrupp einbinden.

- Stände festlegen (wo immer möglich, Drückjagd-Böcke platzieren!), potentielle Gefahrenzonen markieren und Schussfeld freischneiden.

- Alle Stände mit den jeweiligen Anstellern vor Ort besprechen, Gefahrenbereiche und Schussbereiche festlegen und markieren, Stände nummerieren.

- Karte mit Ständen und Richtung des Treibens sowie eingetragene Rettungspunkte inklusive Nummern aushändigen.

- Eine festgelegte Standeinteilung ist vorteilhaft. Gehbehinderungen und Schießfertigkeiten sind zu berücksichtigen. Der Stand kann auch am Jagdtag (z.B. je nach eingesetzter Optik des Schützen) in der eingeteilten Gruppe getauscht werden.

- Einweisen des Wildbergetrupps vor Ort (Lage der Stände, Fahrtrichtung) und anhand einer Karte (Weg zum Wildversorgungsplatz/Streckenplatz); für Füchse entsprechende Säcke besorgen.
 
- Einweisen der Treiberführer vor Ort (Laufwege, Dickungen, Schützenstände und jeweilige Gefahrenbereiche).

- Wildverkauf klären – privat oder an Wildbrethändler (hier vorab Preisverhandlung!).

- Wildversorgung: Aufbrechplatz und Aufbrech-Team festlegen, Ausstattung am Aufbrechplatz (ausreichend Trinkwasser, ausreichend Behälter für die Aufbrüche bereitstellen, evtl. Aufbrechbock bauen).

- Verkehrssicherung: Die Kreisverwaltung, Abt. Ordnung und Verkehr, muss bei der Aufstellung der Schilder an öffentlichen Straßen mit einbezogen werden. Warnschilder für Verkehrswege besorgen oder, nach Rücksprache, selbst bauen. An stark befahrenen Straßen zusätzliches Personal zur Absicherung (mit Fahnen) vorsehen.

- Schüsseltreiben: Jagdtermin mit der Gaststätte besprechen. Waffen sollen mit in das Lokal gebracht werden. Gegebenenfalls Übernachtungsmöglichkeiten organisieren.

- Ausrüstung für die Wildbergung verteilen (Bergegeschirr/Seile, Taschenlampen, eventuell Knicklichter oder rot-weißes Trassierband usw.).

- In gemaßregelten Schweinepest-Gebieten mit Wildmarken und Begleitschreiben die Rückverfolgbarkeit von Proben der erlegten Stücke sicherstellen. Die für diese Aufgabe beauftragte Person einweisen, wie, was, wo eingetragen wird.

- Nach dem Treiben Durstlöscher für Treiber und Hunde bereitstellen.

- Streckengrün bruchgerechter Holzarten am Streckenplatz vorbereiten; Erlegerbrüche und Streckenfeuer nicht vergessen.

- Jagdscheinkontrollplatz (ggfs. Kasse für den Hundeversicherungsobolus) am Treffpunkt einrichten. Personelle Besetzung klären.

- Standkarten für alle Stände vorbereiten (Inhalt: Name des Schützen, Ablauf der Jagd, Aufbrechpause bei Treiben über drei Stunden, Uhrzeiten, Freigabe und Telefonliste der Jagdleitung, Notarzt, Tierarzt, Polizei und Rettungsnummern im Revier, mögliche Anschüsse und Erlegungen). Die Ausgabe der Standkarten erfolgt am jeweiligen Stand durch den Ansteller.

Übrigens: Die Vorlage für eine Jagdeinladung finden Sie auf unserer Homepage „www.ljv-rlp.de“. Der LJV wünscht Ihnen viel Waidmannsheil.

                                                                                                        Revieroberjäger Christoph HILDEBRANDT
 
 

 

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