Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Wildschaden am Raps über Winter

In diesem Frühjahr wurden wir zu mehreren Wildschadensterminen in Rheinland Pfalz gerufen, bei denen es um Wildschaden am Raps durch Verbiss von Kaninchen oder Schalenwild ging. Dass es sich um schadensersatzpflichtigen Wildschaden handelte, wurde von den Land-wirten und auch von den Wildschadensschätzern häufig nur über die Bestätigung des Wildes durch Losung oder Fährten begründet. Auch wenn sich Jäger und Landwirte in den meisten Fällen gütlich einigen, geht dieser Einigung doch häufig eine Diskussion auf der Schadfläche voraus.

Gemäß § 43 Landesjagdgesetz RLP erlischt der Anspruch auf Ersatz von Wild- oder Jagdschaden, wenn die geschädigte Person den Schadensfall nicht binnen einer Woche, nachdem sie von dem Schaden Kenntnis erhalten hat oder bei Beachtung gehöriger Sorgfalt erhalten hätte, bei der zuständigen Gemeindeverwaltung, Verbandsgemeindeverwaltung oder Stadtverwaltung anmeldet.

Die „gehörige Sorgfalt“ ist nur gegeben, wenn landwirtschaftlichen Kulturen einmal im Monat, bzw. schadensanfällige Flächen oder Kulturarten mindestens einmal wöchentlich kontrolliert werden. Z.B. Maisflächen nach der Aussaat im Wald oder an Waldrändern, oder Flächen, bei denen jährlich wiederkehrend Schäden zu erwarten sind (Urteilsbeispiele: Amtsgericht Schwelm vom 30.07.1997-20g C4 / 97 Landgericht Hagen, Urteil vom 17.2.1998 – S 291/97).

Findet der Wildschadensschätzer nur Losung und Fährten, wird er folgerichtig nur den Rück-schluss auf die Wildarten ziehen können, die zeitweise auf der Fläche waren. Jedoch ist es auch möglich, dass schon zuvor Schädigungen durch andere Schadensverursacher entstanden waren. Der Beweis hierfür obliegt dabei allerdings dem Schadensersatzpflichtigen.

Um den Gegenbeweis antreten zu können, sollte sich der Schadensersatzpflichtige die betref-fenden Flächen bereits im Vorfeld genau unter die Lupe genommen haben – und dies nicht nur sprichwörtlich.

Das Schadbild eines besonderen Raps-Schädlings soll nachfolgend kurz beschrieben werden:

Mit zunehmendem Rapsanbau hat der leicht mit dem Rapserdfloh verwechselbare „Schwarze Kohltriebrüssler“ an Bedeutung zugenommen. Ab Mitte September bis in den Winter hinein fliegt der Käfer in den frostfreien Perioden den Raps an und legt seine Eier in die Basis der Blattstiele ab. Von hieraus dringen die Larven über die Blattstiele in den Bereich des Vegetationskegels vor und zerstören diesen.
 

Nicht jeder Schaden an Kulturpflanzen ist durch Wild verursacht.

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Über Winter fault der zerfressenen Bereich aus und der Haupttrieb kommt nicht zur Entwicklung. Dieser wird dann durch mehrere Seitentriebe ersetzt, welche verkümmert aufwachsen. Bei stärkerer Frostentwicklung sterben die befallenen Pflanzen über Winter ab und es wird schwer, den Verursacher zu finden, da die Larve dann zur Verpuppung in den Boden abwandert

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Nicht nur dieser Rapsschädling ist oft verantwortlich für vermeintliche Wildschäden, sondern viele andere Ursachen sind möglich. Daher sollte sich den Jagdpächter bezüglich möglicher Schadursachen in der Landwirtschaft regelmäßig weiterbilden. Um das gute Verhältnis zu den Landwirten zu erhalten, sollten Jagdausübungsberechtigte und Landwirte im Vorfeld bei der Ermittlung der Schadensursache zusammenarbeiten mit eingebunden werden.

                                                                                                                                  Revieroberjäger
                     Christoph Hildebrandt

Schon wieder ein Mastjahr

Wer bereits im Frühjahr einen Blick in die Baumkronen der Eichen und Buchen seines Reviers geworfen hatte, konnte es schon ahnen: Auch dieses Jahr wird wieder ein Mastjahr. Die Eichen und Buchen in unserem Lehrrevier in Oberwiesen standen ebenfalls voll in der Blüte.

Nach einer Untersuchung von Prof. Dr. Paul Müller haben sich die Mastzyklen von Buche und Eiche in den letzten 15 Jahren deutlich verkürzt. Bei der Buche findet nachweislich in jedem zweiten Jahr eine Halbmast statt. Seit 1994 wurden bei der Eiche sogar fast in jedem Jahr großflächige Masten nachgewiesen. Durch verschiedene Untersuchungen wurde darüber hinaus dokumentiert, dass Schwarzwild nach derartigen Mastjahren besonders gut reproduziert – was unweigerlich einen Anstieg der Schwarzwildbestände zur Folge hat.

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Aber nicht nur die Reproduktion des Folgejahres macht uns Jägern zu schaffen. Auch das „Beutemachen“ im Mastjahr selbst wird wesentlich erschwert. Seitdem die letzten Maisäcker in den Feldbereichen abgeerntet wurden, sind diese Revierteile praktisch „schwarzwildleer“. Die Sauen haben sich in die Wälder zurück gezogen und reduzieren ihren Aktionsradius deutlich – Nahrungsopportunisten eben.

Wenn die Schwarzkittel nun noch an die Kirrungen kämen, könnten die Jäger der Waldreviere dort weiter machen, wo die fleißigen Feldjäger aufgehört haben – nämlich mit einer guten Schwarzwildstrecke.

Ärgerlich ist nur: Wir haben schon wieder ein Mastjahr! Die Kirrungen bleiben unberührt. Der Mais muss meist sogar regelmäßig entsorgt werden, weil er verschimmelt, bevor sich auch nur „eine Sau drum kümmert“. Die Frage lautet also: Wie bekommen wir unter diesen Bedingungen viele Sauen auf die Strecke?

Mein Tipp: Suchen Sie die „Schlafzimmer“ der Sauen auf, und machen Sie mit drei bis sechs Jägern ein kleines „Drückerchen“. Stellen Sie die bekannten Wechsel des Schwarzwildes ab und gehen mit zwei bis drei „schwarzwildtauglichen“ Treibern und evtl. einem kurzläufigen, spurlauten, schwarzwildsicheren Hund direkt in die Wohnstube der Schwarzkittel.

Diese kleinen Drückjagden sollen – ja müssen – vor ihrer geplanten großen Treibjagd stattfinden. Warten Sie nicht auf den Tag der großen Jagd, um eventuell eine große Strecke zu machen. An diesem Tag ist es wichtiger, die Treibjagd auf das Schwarzwild großräumig und revierübergreifend durchzuführen.

E-Zaun

Da bekanntermaßen die Grünlandschäden während eines Mastjahres ansteigen, noch einige Worte zur Schadensverhütung: Als Partner der Jagdrechtsinhaber sollten wir selbstverständlich alles daran setzten, auch diese Wildschäden so gering wie möglich zu halten. Daher ist es notwendig, die bekannten schadensanfälligen Grünlandflächen besonders im Blick zu behalten.

Um solche Flächen zu schützen, kann man – zumindest waldseitig – diese mit einem Elektro-zaun sichern (der optimale Bau eines Elektrozauns ist in der Juniausgabe 2011 von Jagd & Jäger beschrieben). Zum Schutz des Grünlandes reicht in der Regel ein Elektrozaun mit nur einem gezogenen stromführenden Draht, der in einer Höhe von rund 25 Zentimeter über dem Boden verläuft (siehe Foto).

Um Flächen zu finden, auf denen die Sauen die ersten kleinen Schäden anrichten, ist es notwendig, zu Fuß durch das Revier zu pirschen. Der beste Zeitpunkt ist die Woche vor guten Mondnächten. Sind die Schadflächen ausgemacht, hat der Jäger eine größere Chance, auf diesen Flächen ein Stück Schwarzwild zu erbeuten, ohne lange Nächte an einer Kirrung zu verbringen, an der die Sauen höchstens zufällig vorbeischauen.

Christoph HILDEBRANDT, Revieroberjäger

 

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