Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Lenkung von Naturnutzern durch Blühstreifen
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Sowohl im Wald als auch im Offenland gilt ein recht weitgehendes freies Betretungsrecht für Jedermann. Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahrzehnten die Zahl derjenigen, die die Natur zum Zwecke der Erholung und Freizeitbeschäftigung für sich entdeckt haben, vervielfacht. Übrigens: Auch wir Jägerinnen und Jäger zählen zu den „Naturnutzern“!
Oftmals beginnen die Konflikte, wenn Vertreter zweier Gruppen aufeinandertreffen und jeweils auf ihrem Recht bestehen. Wer kennt das nicht? Nach einem anstrengenden Arbeitstag fährt man noch einmal zum Ansitz ins Revier – dabei ist neben der möglichen Erfüllung der Abschussvorgaben natürlich auch die eigene Entspannung, Entschleunigung und Erholung ein wesentliches Ziel. Als überaus störend wirken dabei plötzlich auftauchende Spaziergänger, Jogger, MTB-Fahrer

u.s.w., die mehr oder weniger dicht am Hochsitz vorbeikommen.

Um den damit verbundenen – begreiflichen – Ärger etwas zu verringern, lohnt es sich, die Besucher mit etwas Geschick zu lenken. Das kann der Jäger in aufklärenden Gesprächen tun, oder aber auch indem man die Besucher durch andere Maßnahmen gezielt „auf den richtigen Pfad“ lenkt.

Eine gute Möglichkeit ist es, in angemessener Entfernung von jagdlich interessanten Ecken (Wildeinstände, Äsungsflächen, jagdliche Einrichtungen) – z. B. an einem beliebten Spazierweg – eine attraktive und ablenkende „Aktionsfläche“ zu schaffen und die Erholungssuchenden damit gezielt dorthin „umzuleiten“.

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Hierzu bietet sich z.B. die Schaffung eines Blühstreifens mithilfe der Blühmischung „Sommerzauber“ der Firma Saaten Zeller an. Dabei handelt es sich um eine mehrjährige, hochwüchsige (bis 2 m) Mischung aus attraktiven Bauerngartenpflanzen und heimischen Wildpflanzen. Die Mischung blüht, je nach Saatzeitpunkt, ab Mai bis zu den ersten Frösten und ist für alle Böden geeignet. Im zweiten Standjahr prägen insbesondere die attraktiven heimischen Wildstauden das Gesicht der Fläche.

Die Kosten (50,- Euro/kg) erscheinen auf den ersten Blick etwas hoch, relativieren sich aber alleine durch die zwei-jährige Nutzbarkeit, die gute Wuchsleistung und die herrliche Blütenpracht während der beiden Jahre. Die Aussaatmenge be-trägt 6 g/10 m2. Somit lässt sich für ca. 25,- Euro eine Wegbegleit-strecke von ca. Kilometer (bei 1,5 m Arbeitsbreite) gestalten.

Bei der Aussaat sind die vorgegebene Anbauweise, sowie die Aussaatmenge möglichst genau einzuhalten. Die Mischung muss auf ein feines Saatbeet ausgebracht und darf nur angewalzt werden.

Die Mischung bietet nicht nur für den Menschen Vorteile (schöner Anblick, langlebige Sommerblumensträuße), sondern sie wird zudem von Insekten, Singvögeln, Feldhühnern, Fledermäusen etc. als Nahrungs- und Lebensraum genutzt und stellt in den immer intensiver genutzten, landwirtschaftlich geprägten Lebensräumen einen weiteren Baustein für die Gesunderhaltung der Fauna dar.

Ein geschicktes Vernetzen derartiger Blühstreifen – z. B. entlang eines Rundeweges – bietet die Möglichkeit, zumindest einen größeren Teil der Erholungssuchenden von den eigentlichen Äsungsflächen abzulenken und so dem Wild – wie auch dem Jäger während des Ansitzes – die notwendige Ruhe zu verschaffen. So können mehrere Interessengruppen gleichzeitig denselben Lebensraum nutzen, ohne in Konflikte zu geraten. Und wenn Sie dann noch ein Schild mit der Aufschrift „Blumenpflücken erwünscht, Ihre Jägerschaft“ an diese Wegbegleitflora aufstellen, stärkt dies in der Bevölkerung zusätzlich die Sympathie für die Jäger.

Christoph HILDEBRANDT, Wildmeister

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Im Märzen der Bauer…

Der Frühling kommt mit schnellen Schritten. Für die Jäger ist es also Zeit, sich um die Wildäcker- und Wildwiesenbestellung Gedanken zu machen.
Das Wie, Wo und Was sind die entscheidenden Fragen beim Anlegen einer Wildäsungsfläche. Als Jäger sollten wir uns daran erinnern, dass wir verpflichtet sind, das Wild zu hegen, und somit auch dessen Lebensgrundlage zu sichern. Auch die Grundeigentümer müssen in diesem Fall in die Pflicht genommen werden. Im Landesjagdgesetz (§ 4) ist die Duldung von Hegemaßnahmen beschrieben. Demnach haben Eigentümer die Nutzung von Grundflächen für Hegemaßnahmen durch die jagdausübungsberechtig-ten Personen – gegen eine angemessene Entschä-digung – hinzunehmen.

Bodenbearbeitung

Das hat auch für die Grundbesitzer Vorteile, denn die Ursachen von Wildschäden im Wald und Feld sind nicht immer einer zu hohen Wilddichte geschuldet. Einer der möglichen Gründe kann auch der Mangel an einem ausreichenden, artgerechten Äsungsangebot im Habitat des Wildes sein. Mit der Anlage einer Wildäsungsfläche kann diese Situation entschärft werden.

Wir Jäger müssen dabei stets die Kirr- und Fütterungsverordnung beachten. Hier ist unter anderem geregelt, dass Wildäcker im Wald verboten sind. Es besteht jedoch die Möglichkeit, Flächen mit Einsaaten, die eine mindestens zweijährige Nutzungsdauer ermöglichen, zu bestellen. Hierzu gehören handelsübliche Grünlandmischungen sowie Einsaaten von Waldstaudenroggen, Lupine, Buchweizen, Rotklee und Westfälischer Furchenkohl. Beim Kauf von Mischungen, die für eine mehrjährige Nutzung konzipiert sind, ist darauf zu achten, dass sie keine Marktordnungsfrüchte wie Raps oder Getreidearten enthalten, da deren Aussaat im Wald (auch in Mischungen) verboten ist. Die Aussaat von sämtlichen Sämereien und selbst die Anlage eines Wildackers, der mit Mais bestellt ist, sind außerhalb des Waldes und an Waldrandkanten hingegen erlaubt.

Die angelegten Wildäsungsflächen sollten nicht vorrangig dazu dienen, dort Schalenwild zu erlegen. Denn dadurch wird der Waldwildschaden in der Regel nicht minimiert, sondern unter Umständen sogar noch verstärkt. Ebenso sollten auf diesen Wildäsungsflächen keine Luderplätze oder Kirrungen angelegt werden, denn das Schalenwild kann nicht unterscheiden, wem die Bejagung gilt. Die Folge: Das Wild tritt nicht zum Äsen aus, verweilt im Bestand und geht dort zu Schaden.
 
Bei der Bestellung von Äsungsflächen sind einige grundlegende Regeln zu beachten. Die Standortwahl sollte nach der Himmelsrichtung Nord-Süd gewählt werden, um so die längste Tageslichteinstrahlung auf der Fläche zu gewährleisten. Feuchte Standorte sind von Nachteil, da die Sämereien nicht gut wachsen und im Saatbett sogar verschimmeln können. Die Größe des Wildackers ist abhängig von den Wildarten, die im Revier vorkommen. So benötigen Rot-, Dam- und Muffelwild eine Fläche von mindestens einem halben Hektar. Für Rehwild sind deutlich kleinere Flächen ausreichend.

Bodenprobeentnahme

Bevor mit der Bestellung der Fläche begonnen wird, ist eine Bodenprobeentnahme ratsam, denn so lässt sich viel Geld für Düngemittel sparen. Die Bodenprobe muss aus allen Flächen-teilen und Bodenschichten entnommen werden, um sie auf ihre Hauptnährelemente untersu-chen zu lassen. Für 12,- € pro Probe führt die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und For-schungsanstalt (LUFA) in Speyer die Untersuchung durch. Wer zusätzlich zur Bodenprobe noch die für die Aussaat ausgesuchten Sämereien angibt, erhält eine genaue Düngemittelempfehlung.

 In Gebieten mit einer niedrigen Jahresniederschlagsmenge empfiehlt es sich, mit der Bestellung im April zu beginnen.

So wird für das Anwachsen der Pflanzen die wichtige Frühjahrsfeuchtigkeit ausgenutzt. Hierbei ist es wichtig, dass frostempfindliches Saatgut, beispielsweise Buchweizen, nicht ausgesät wird, falls regional noch mit Frost zu rechnen ist.

Die vom Hersteller der Wildackermischungen empfohlenen Saatmengen, Saattiefen und Saatzeiten sollten unbedingt beachtet werden. Das Motto „viel hilft viel“ ist hier nicht angebracht, da das Saatgut zwar aufläuft, die einzelnen Pflanzen jedoch aus Wachstumsraummangel verkümmern.

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Sollten Sie über diese allgemeinen Hinweise hinaus weitere individuelle Anregungen für Ihr Revier wünschen, steht Ihnen die LJV-Beratungsstelle (Tel. 06727-89440 oder
C.Hildebrandt@LJV-RLP.de) gerne zur Verfügung.

Revieroberjäger Christoph HILDEBRANDT, Revierjäger Robert ACKERMANN

Wildobst als Hegemaßnahme

Der ökologische Nutzen von Streuobstwiesen und einzeln stehenden Obstbäumen im Revier ist unumstritten. Mit zunehmender Technisierung und Intensivierung der Landwirtschaft – und der damit einhergehenden Vergrößerung der Bewirtschaftungseinheiten – störten diese Bäume und verschwanden in den letzten Jahrzehnten sukzessive von den landwirtschaftlichen Flächen. Bis heute sind sie manchen Landwirten ein Dorn im Auge, weil man mit einem selbstfahrenden, GPS-gesteuerten Raupentraktor und einem Spritzgestänge von über 35 m Breite an derartigen „Bewirtschaftungshindernissen“ nicht vorbei kommt.

Viele Eingriffe in die Natur werden heute zunehmend mit der Anlage von Streuobstwiesen ausgeglichen – teilweise sogar mit öffentlichen Mitteln gefördert. Dabei fallen – trotz aller Sorgfalt bei der Neuanpflanzung – immer wieder einzelne Bäume nach der Pflanzung aus. Die Gründe können vielfältig sein: von äußeren Beschädigungen, über Wurzelfraß durch Wühlmäuse bis hin zu ungünstiger Witterung oder einem ungeeigneten Untergrund. Leider werden derart abgestorbene Bäume häufig nicht ersetzt.

Hier kann der Jäger vor Ort nach Rücksprache mit den für die Ausgleichsflächen Verantwortlichen (Landesbetrieb Mobilität, Gemeinde etc.) einen Hegebeitrag leisten. In einer Gemeinschaftsaktion – z. B. mit der örtlichen Schule oder dem Kindergarten – können solche Ausfälle öffentlichkeitswirksam ersetzt werden. Gleichzeitig lässt sich damit bereits bei den Jüngsten ein Verantwortungsbewusstsein für „ihren“ Baum oder „ihre“ Bäume wecken.

Um erneut auftretende Verluste zu vermeiden oder zu minimieren, empfiehlt es sich, die Baumschulen vor Ort anzusprechen lassen. Dort kann man erfahren, welche Sorten sich für die Region eignen.
Bei den sogenannten „Alten Sorten“ handelt es sich meist um Hochstammsorten, die früher häufig als Einzelexemplare, aber auch auf Streuobstwiesen in den Gemarkungen zu finden waren. Sie dienten den Grundeigentümern als Lieferanten von frischem Obst oder sonstigen Produkten, z. B. veredelter Obstbrand. Dass derartige Streuobstanlagen auch Heimstatt für zahllose Tierarten bilden, ist dabei mindestens ebenso bedeutsam.

Bei der Artenzusammenstellung – egal ob Neu- oder Ersatzpflanzung – ist zu beachten, dass einige Arten/Sorten nur dann regelmäßig Früchte tragen, wenn verschiedene Sorten auf den Flächen gepflanzt werden. Dies gilt vor allem für Äpfel und Süßkirschen. So benötigt beispielsweise die Kirschensorte „Hausmüller“ für einen guten Ertrag in ihrer Nachbarschaft die Sorte „Edelfinger“ oder „Kordia“. Die Apfelsorten „Kaiser Wilhelm“, „Roter Eiser“, „Gelber Edelapfel“ und „Boskop“ werden als Sorten beschrieben, die auch in Höhenlagen bis 400 m gut gedeihen, also klimatisch unabhängiger sind. Weitere Tipps zur Sortenwahl geben die Baumschulen vor Ort.

Die Pflanzzeit der Obstbäume liegt in der Zeit zwischen Oktober und April. Das Pflanzloch sollte einen Meter im Durchmesser und 30 bis 40 cm tief sein. Beim Ausheben ist darauf zu achten, dass man die verschiedenen Bodenschichten getrennt lagert; sie sollten beim Befüllen des Lochs auch wieder so eingefüllt werden. Dem Oberboden kann man einen angemessenen Anteil Kompost als Dünger beimischen.

Trockene und beschädigte Wurzeln sollten frisch angeschnitten, alle Fein- und Faserwurzeln jedoch zwingend belassen werden. Um dem Baum einen stabilen Halt zu geben, ist ein Baumpfahl erforderlich. Dieser Pfahl darf kein teerimprägnierter Pfahl sein und sollte vor dem Pflanzen in das Loch geschlagen werden, um Wurzelbeschädigungen zu vermeiden. Er muss so ausgerichtet sein, dass der Baum nicht durch den Wind aus dem Erdreich gezogen wird. Also steht der Pfahl in Hauptwindrichtung vor dem Baum, um diesen mit einer Achterschlaufe aus Sisal oder ähnlichem zu halten.

Zum Schutz der Wurzeln vor Wühlmäusen ist ein Drahtkorb aus 16 mm verzinktem Maschendraht um die Wurzeln sehr hilfreich. Hierzu den Draht einfach in das Pflanzloch legen, zwei Schaufeln Erde darauf, den Baum hinein stellen, etwas Erde bei füllen, den Draht hochstellen und zum Stammfuß umschlagen. Der Baum sollte unter keinen Umständen tiefer eingepflanzt werden, als er in der Baumschule gestanden hatte. Keinesfalls darf die Veredelungsstelle im Erdreich sein. Wasserkonkurrenz entsteht oftmals durch Gräser und Kräuter um den Stamm herum, daher sollte eine Baumscheibe in den ersten fünf Jahren von der Konkurrenzflora freigehalten werden.

Als Schutz vor Fege oder Schälschäden, sollte ein oberirdischer Schutz durch eine Kunststoffhülle oder ähnliches in entsprechender Höhe erfolgen. In Hochwildrevieren sollten frisch gesetzte Obstbäume etwas aufwändiger geschützt werden.

Nach der Pflanzung muss die Krone noch einen Erziehungsschnitt erhalten. Dabei ist darauf zu achten, dass der Abgangswinkel der Seitenäste vom Stamm zwischen 45° und 90° liegt und die verbleibenden Augen nach außen stehen.

Bereichern Sie Ihr Revier mit Obstbäumen und leisten somit einen weiteren wichtigen Hegebeitrag. Außerdem stellt sich noch ein kleiner Nebeneffekt ein. Der gepflückte Apfel vom eigenen Baum schmeckt immer besser als ein gekaufter.

Natürlich ist das Pflanzen und Ausbessern von Obstbäumen nicht nur auf Ausgleichsflächen ein guter hegerischer Beitrag. Auch auf anderen Standorten ist mit geringem Aufwand ein Obstbaum gepflanzt.

Christoph HILDEBRANDT, Wildmeister
 

 

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