Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Die Wildschadensleiter

Im Monat Juni beginnen mit dem heranreifenden Getreide die Wildschadensprobleme in der Feldflur. Oft liegen die „Problemflächen“ für die im Revier befindlichen jagdlichen Einrichtungen in unerreichbarer Ferne.

Um an den schadensträchtigen Flächen schnell eine geeignete jagdliche Einrichtung aufstellen zu können, ist die von der LJV-Beratungsstelle entwickelte, transportable Wildschadensleiter eine kostengünstige, fachgerechte und effiziente Möglichkeit, dem zu Schaden gehenden Wild ein Stückchen näher zu kommen.

Die Wildschadensleiter wiegt bei einer Endhöhe von 2,50 m nur ca. 55 kg und ist somit für zwei Personen schnell und einfach zu transportieren und aufzustellen. Die Materialkosten (Kanthölzer, Schrauben, Nägel etc.) belaufen sich auf rund 60,- Euro.
Hier können Sie die Materialliste als PDF herunterladen.

Da die Verbindungselemente an den Verbindungspunkten mit Flügelmuttern befestigt werden, ist diese praktische Wildschadensleiter schnell „zusammenfaltbar“, so dass diese innerhalb weniger Minuten mit minimalem Aufwand im Revier umgesetzt werden kann.

Bauplan (Linksklick, um das Bild zu vergrößern):

Leiter_Raps_HP

Wem nutzt ein Elektrozaun? Erstens dem Landwirt, der Schäden an seinen Flächen vermeiden kann, und zweitens dem Jäger, der somit vor Wildschadenszahlungen besser geschützt ist. Was beim Aufstellen eines E-Zaunes wichtig ist, erklärt Klaus Peter Austherr, Repräsentant der neuseeländischen Firma Gallagher und Dozent an der Landesjagdschule Rheinland-Pfalz.

Der Unterschied zwischen einem Elektrozaun und einer stromfreien Einzäunung besteht darin, dass der E-Zaun auf die Lernfähigkeit des Tieres abzielt. Das bedeutet für den Jäger, dass er mit wenig Aufwand einen wirkungsvollen Zaun bauen kann, der kaum einem mechanischen Verschleiß durch physische Einwirkung der Wildtiere unterliegt. Damit die Sicherheit dieser Einrichtung gewährleistet bleibt, sind einige Dinge zu beachten.

Es fängt mit dem richtigen Stromgerät an: Die Leistung muss stimmen, auf Dauer abrufbar sein und das bei jedem Impuls von 0,5 Sekunden. Idealerweise sollte ein 220 Volt-Anschluss vorhanden sein. Da dies aber selten der Fall ist, sollte ein 12 Volt-Gerät eingesetzt werden. Neun Volt-Geräte scheiden aufgrund ihrer zu geringen Leistung aus.

Die richtige Erdung der Zaunanlage ist überaus wichtig für die Leistungsfähigkeit eines Gerätes – und sie kann zwischen den einzelnen Geräten differieren. Die Firma Gallagher gibt z.B. in Ihrem Katalog für jedes Gerät die richtige Erdung an – so sollte zum Beispiel der E-Zaun B280 (mit 2,8 Joule) mit vier Erdstäben von je einem Meter Länge geerdet werden. Der Erd-stab darf maximal zehn Zentimeter aus dem Boden herausragen, damit er mittels Schlepperhydraulik wieder heraus gezogen werden kann. Der Stab muss eine gewisse Materialstärke haben und verzinkt sein, sonst ist seine Wirkung nur symbolisch. Der Abstand von Erdstab zu Erdstab muss mindestens drei Meter betragen und mindestens zehn Meter von jeder anderen Erdung entfernt sein, da sich sonst ein Magnetfeld aufbaut, das die Wirkung einschränkt.

Leitung
Erdung

Die Erdstäbe müssen mit einem speziellen Erdungskabel verbunden sein, ohne dass dabei das Strom führende Kabel durchtrennt wird.

Sehr wesentlich sind die Stromleiter, auch Litzen genannt. Ihr Verlauf muss frei von Bewuchs, aber trotzdem so tief sein, dass kein Frischling unterhalb der Leitungen „durchhuschen“ kann. Die Litzen sollten UV-beständig, mechanisch belastbar und hochleitend sein. Als Maßstab für alle Litzen gilt die Litze Vidoflex9 von Gallagher, mit 0,11 Ohm Widerstand und einer Reißfestigkeit von 105 Kilogramm. In aller Regel werden drei Litzen gezogen. Als dritter und oberster Stromleiter wird ein 12,5 Millimeter breites Band empfohlen. Das dient zur besseren Erkennung des Elektrozaunes – sowohl für das Wild als auch für Personen. Alle 150 Meter sollten die gezogenen Litzen zudem miteinander verbunden werden.

Der Abstand der Haltepfähle sollte rund acht Meter betragen. Die Eckpfähle sollten stabil sein, um eine Spannung des Drahtes zu gewährleisten.

Beim Bau des Elektrozaunes gibt es einige Sicherheitsanforderungen, die sich aus den Normen und Richtlinien der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und des Verbandes für Elektrotechnik und Elektronik ergeben: Es darf nie mehr als ein Gerät an einen Zaun ange-schlossen werden. Der Mindestabstand zwischen zwei E-Zäunen muss mindestens zwei Meter betragen, da das bei zu dichtem Aufbau entstehende Magnetfeld Einfluss auf die Taktung hat. Vorsicht bei Waldbrandgefahr, denn eine Verknotung der Stromleiter kann zur Funkenbildung führen. Hochspannungsleitungen sind im rechten Winkel zu unterqueren, der Zaun darf maximal 1,50 Meter hoch sein. Befestigen Sie keine Drähte an Strommasten. Warnschilder „Vorsicht Elektrozaun“ – mit dem Symbol für Strom – sind alle 100 Meter sowie an jedem Schnittpunkt zu Wegen anzubringen.

Wenn Sie das richtige Gerät und die richtigen Stromleiter verwenden sowie den Zaun handwerklich korrekt aufstellen, kann von einem sicheren Zaun ausgegangen werden. Bei Fragen stehen die Berufsjäger des LJV sowie der Unterzeichner (0160-97328948) mit Rat und Tat zur Seite.

                                                                                                                                         Claus Peter AUSTHERR

Der richtige Elektrozaun
Möglichkeiten zur Kitzrettung

Ehe wir uns versehen, steht auch dieses Jahr wieder die Mahd der Grünlandflächen an, und wir Jäger machen uns aufs Neue Gedanken, wie man effizient Mähverluste verhindern kann. Dabei ist es, wie bei vielen anderen Hegemaßnahmen auch, zwingend notwendig, einen regen Austausch zwischen den Landbewirtschaftern zu pflegen. Denn auch unsere Landwirte sollten sehr daran interessiert sein, bei der Mahd möglichst wenig Tierleid zu verursachen.

Dennoch kommt es vor, dass durch die – manchmal sehr komplexe – Organisation der internen Betriebsabläufe der kurze Anruf beim zuständigen Jagdpächter in Vergessenheit gerät, der den Pächter über den Mähtermin informiert. Dann der Schock. Die Wiese an der vorgestern noch beim Abendansitz eine Ricke mit ihren Zwillingskitzen gesehen wurde, ist gemäht und abgeräumt. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig, dass sich auch der Jäger mit „seinen“ Landwirten in Verbindung setzt – spätestens wenn Wetter und Vegetation eine baldige Mahd vermuten lassen. Unabhängig davon gibt es verschiedene Möglichkeiten die Mähverluste beim Jungwild zu reduzieren.

So finden wir teilweise die Situation vor, dass der erste Schnitt des Silagefutters schon vor den Hauptsetzterminen des

Foto: Timo Bäumler

Schalenwildes durchgeführt wird. In diesem Jahr wurde z. B. in der Region Zweibrücken schon Anfang Mai mit der Mahd begonnen. In anderen Regionen von Rheinland Pfalz, wie in den Höhenlagen der Eifel und des Westerwaldes, entwickelt sich die Vegetation dagegen oft erst später. Häufig sind dann die Jungtiere bereits so mobil, dass sie durch das Motorengeräusch des Schleppers aufgeschreckt werden und die Fläche verlassen. Auf diese beiden Möglichkeiten allein kann man sich allerdings nicht verlassen. Daher sollten sich verantwortungsbewusste Jäger und Landwirte mit den verschiedenen technischen Hilfsmittel, die dazu beitragen können, Mähverluste zu verhindern oder zumindest zu reduzieren, vertraut machen.

Im vergangenen Jahr wurde im LJV-Lehrrevier Weinsheim der vom LJV NRW empfohlene Wildretter eingesetzt. Dieser hat sich als durchaus sinnvoll und hilfreich erwiesen. Insgesamt kamen fünf Geräte zum Einsatz. Nach einer entsprechenden Einweisung der Landwirte wurden die Geräte an die Mähwerke oder Schlepper montiert. Die Geräte beschallen dabei die jeweils nächsten zu mähenden Schnittbreiten mit einem 120 dB Sirenenton. Die derart beunruhigten Wildtiere werden dadurch dazu bewogen, die Flächen zu verlassen.

Der akustische Wildretter der Firma Reichelt Foto: LJV NRW

Leicht zu montieren: der akustische Wildretter. Foto: WM Thomas Berner

Sowohl Kitze als auch Feldhasen konnten beim Verlassen der Fläche beobachtet werden. Auch wenn es nicht jedes Tier schafft, dem Mähtot zu entkommen, so ist dennoch jedes einzelne Individuum, das durch diese kostengünstige Methode gerettet werden kann, den Einsatz des Geräts wert. Parallel dazu stellen wir an den Vorabenden der Mahdtermine Scheuchen mit knisternden Müllsäcken auf. Durch die Kombination der Maßnahmen konnten wir die gesamte Wiesenmahd-Saison mit nur einem ausgemähtem Kitz verbuchen.

Der akustische Wildretter kann von der Firma Reichelt (http://rch.lt/wild) für ca. 18,- Euro (zzgl. Versand) bezogen werden. Auch andere sinnvolle Geräte zur Beschallung der Flächen während der
 

Mahd sind im Handel erhältlich. So werden wir dieses Jahr den Rehkitzwildretter KR01 von Martin Thoma (www.naturtech-oberland.de) einsetzen und erhoffen uns ähnlich positive Ergebnisse. Eine der modernsten Techniken, um Kitze vor der Mahd zu retten, bietet der 18-jährige Tüftler Nils Bellenbaum (www.luftaufnahme-bellenbaum.de) an. Er befliegt mit seiner Drohne die zu mähenden Wiesen und ist damit in der Lage, Kitze aus der Luft zu finden, um sie dann aus der Fläche zu tragen. Wir sind auf seine Erfahrungsberichte gespannt und werden Sie zu gegebener Zeit über diese Methode informieren.

Wildmeister Christoph HILDEBRANDT

Wichtig ist hierbei, dass die Flächen immer von innen nach außen gemäht werden. Sollten brütende Fasanenhennen oder Rebhühner auf den Gelegen sitzen, ist zumindest die Henne gerettet – und es besteht die Möglichkeit eines Nachgeleges.

 

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