Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Nicht nur der Ton macht die Musik

bereits vier bis sechs Wochen vor der Blattzeit errichtet werden, um keine Beunruhigung kurz vor der Blattzeit hervorzurufen. Nicht vergessen: Auch Rehwild braucht Zeit, um sich an die derart veränderte Umgebung zu gewöhnen. Beim Aufstellen neuer Sitze sollte die Devise „sehen, aber nicht gesehen werden“ lauten

Ein guter Platz für den Blattstand sollte nach Möglichkeit bis zu 150 Meter vom vermuteten Einstand des Bockes entfernt sein. Dem Jäger sollte nämlich bewusst sein, dass – je nach Revierverhältnis – der hörbare Bereich des Blattinstrumentes bis zu 500 Meter betragen kann. Daher gilt auch: Nicht übertreiben, bitte nur so viele Blattstände, wie das Revier auch verträgt. Natürlich spielt auch der richtige Zeitpunkt des Blattens eine wichtige Rolle.
Vom 25. bis 28. Juli sind die Böcke in höchster Erregung und springen dementsprechend schnell. Die Ricken sind dagegen noch nicht soweit und benehmen sich verhaltener. Nach dem 28. Juli sollten Blattzeit-Jäger eine kurze Pause einlegen, denn die Ricken sind an diesen Tagen hochempfänglich und die Böcke daher schwer beschäftigt.

Vom 2. bis zum 8. August kann es dann wieder losgehen. Viele Ricken sind zu diesem Zeitpunkt bereits beschlagen. Die Böcke sind müde und springen nur schlecht. Abgesehen vom Datum, gibt es Tageszeiten, an denen das Blatten Erfolg versprechend ist. Morgens ist es der Zeitraum zwischen Beginn des Büchsenlichts und 10.00 Uhr, nachmittags von 16.00 Uhr bis zum letzten Büchsenlicht. Besonders in Feldrevieren hat die Bockjagd in der Mittagshitze kaum Aussicht auf Erfolg. Dagegen stehen die Chancen in einem kühlen, dunklen Laubwald zu dieser Tageszeit wesentlich besser.

Ort und Uhrzeit zum Blatten stehen nun fest – jetzt muss nur noch der richtige Ton zur richtigen Zeit her. Nach Einnahme des Blattstandes sollte man 15 Minuten absolute Ruhe einhalten. Erst dann sollte die erste Serie mit vier bis sieben Fieptönen hervorgebracht werden. Danach ist eine kleine Pause von zwei bis fünf Minuten einzuhalten, bevor die nächsten vier bis sieben Töne folgen dürfen. Das Ganze kann zwei bis drei Mal wiederholt werden; dabei sollte man in verschiedene Richtungen fiepen, um so die brunftige Ricke realer vorzutäuschen.

Hat es mit dieser Serie nicht geklappt und kein Bock steht zu, kann der Blatt-Jäger nach einer 15-minütigen Pause auf „Piä“-Töne umsteigen. Hier gelten die gleichen Zeitabstände, wie bei den zuvor beschriebenen Fieplauten. Wenn immer noch kein Bock zusteht, kann ein Nebenbuhler mit intensiveren „Piä“-Lauten – gemischt mit Fieptönen – vorgetäuscht werden. Sollte der Bock bei der Ricke feststehen, kann man mit dem Kitzfiep und/oder dem Kitzangstschrei versuchen, die Ricke zum Zustehen zu bewegen, der dann der Bock folgt.

Nach diesen Lauten ist das Rehwild in diesem Revierteil sehr angespannt. Daher sollte diese Tonfolge nicht zu oft ertönen. Sollte es nicht zum Erlegen eines Bockes gekommen sein, ist es nach dem Kitzangstschrei notwendig, das betroffene Revierteil mit Mundfieplauten (Ricke) und Kitzlauten zu beruhigen. Diese Blattserie sollte etwa eine Stunde dauern. Nehmen Sie sich Zeit für alte Böcke, denn diese sind heimlicher und stehen daher nicht direkt zu.

Wer diese Tipps berücksichtigt und die richtigen Töne trifft, kann auf eine erfolgreiche Blattzeit hoffen. Dazu wünsche ich Ihnen viel Waidmannsheil.

Christoph HILDEBRANDT, Revieroberjäger

Hier können Sie die verschiedenen Fieplaute zur Übung herunterladen:

“Fiep”-Ton

“Piä”-Ton

“Kitzfiep”-Ton

“Kitzangstschrei”-Ton

Wir weisen darauf hin, dass es nach §23 Abs. 8(a) LJG verboten ist, “(...) Tonbandgeräte (...) beim Fang oder Erlegen von Wild aller Art zu verwenden (...).”
 

Wer zur Blattzeit den braven Bock erlegen will, muss so Einiges beachten. Denn neben dem richtigen Ton spielen auch Blattstände, Uhrzeit und das richtige Datum eine Rolle. Revieroberjäger Christoph Hildebrandt nennt die wichtigsten Punkte für eine erfolgreiche Blattjagd.

Dem Blattzeit-Jäger sollten zunächst die Einstände der Böcke bekannt sein. Er sollte auch alle entdeckten Pirschzeichen in seinem Gedächtnis abspeichern, denn manche lassen Rückschlüsse auf das Alter des Bockes zu. Für die Auswahl eines Blattstandes muss zunächst selbstverständlich darauf geachtet werden, dass eine gute Sicht vorhanden und der Stand gut zum Wind positioniert ist.Die Stände sollten

Blattstand
Mäuseburg mit integrierter Kastenfalle

Ab August beginnt die Jagdzeit auf alle Präda-toren, wie Fuchs,Dachs, Waschbär, Marderhund sowie die beiden Mar-derarten; daher sollten bis dahin die entsprechenden Fangeinrichtungen, wie Kastenfalle, Betonrohrfalle, Kunstfuchsbau, Marder-schlagbaum usw., auf die Fangjagd gereinigt und vorbereitet werden. Darüber hinaus ist nun der Zeitpunkt ge-kommen, sich über neue Fangeinrichtungen Gedanken zu machen.

Eine Mäuseburg in freier Flur ist immer ein magischer Anziehungspunkt für unser Raubwild. Mäuseburgen sind die Niststatten für diese Nager, welche durch Urin einen intensiven Duft in das innenliegende Stroh abgeben. Auch deren Geräusch-kulisse zieht die vorbeischnürenden Prädatoren magisch an. In solch eine selbstkonstruierte Mäuseburg haben wir eine innenlie-gende Kastenfalle eingebaut, welche ab 1. Oktober fängisch steht. Zu dieser Zeit hat sämtliches Raubwild Jagdzeit und die Reifung der Bälge ist bereits weitgehend abgeschlossen.

 Die Kastenfalle hat eine Länge von 125 cm und besteht aus 2,1 cm starken Siebdruckplatten. Sie lässt sich – für evtl. entstehende Reparatur- bzw. zur Reinigungsarbeiten – jederzeit aus der Mäuseburg entnehmen. An beiden Eingängen der Kastenfalle wurden „Fernaufklärer“ mon-tiert, um von weitem feststellen zu können, ob die Falle offen oder geschlossen ist. So muss man nicht für jede Kontrolle an die Falle herantreten, was verhindert, dass Raubwild die menschliche Witterung aufnimmt, wodurch der Fangerfolg beeinträchtigt würde.
 

Ein um die Konstruktion herumgebauter Forstkulturzaun schützt Mäuse sowie die im Winter hier schlafenden Bilche vor Raub- bzw. Schwarzwild. Das eingebaute bzw. eingelagerte Stroh befindet sich auf einer Europalette. Dies hat zum einen den Vorteil, dass das Stroh keine Feuchtigkeit von unten anzieht und zum anderen ist durch ein senkrecht stehendes Plastikrohr das Einbringen von Weizen möglich. Dieser rieselt durch ein Rohr auf die Palette und fällt anschließend durch die vorhandenen Spalten auf den Boden.
 

 Die gesamte Einrichtung hat eine Länge von 200 cmund eine Breite von 1,70 m; sie besteht aus 4 x 6 cm Konstruktionshölzern. Das Dach schützt das Stroh vor Regenwasser. Der innen-liegende Tunnel zur Kastenfalle hat die Maße 40 x 60 cm.

Beim Aufstellen der Einrichtung sollte Folgendes beachtet werden:

Grundsätzlich ist die Erlaubnis des Grundstückseigentümers notwendig, die aber erteilt wer-den muss, wenn die Anlage zumutbar ist (s.a. § 30 Abs. 1 LJG RLP). Die Mäuseburg sollte in der Nähe von bekannten Pässen errichtet werden. Unter die Ecken der Mäuseburg sollten Steinplatten gelegt werden, um ein Verrotten des Holzes zu verhindern. Die abgeflachte Seite der Mäuseburg ist, wenn möglich, in die Hauptwindrichtung zu platzieren. Die genauen Maße sowie eine bebilderte Bauanleitung finden Sie auf der Homepage des LJV, unter: www.ljv-rlp.de/Jagdpraxis/Aus dem Lehrrevier.

Robert ACKERMANN, Revierjäger
 

Bietet Greening wirklich Chancen?

In der Dezemberausgabe 2014 von „Jagd & Jäger“ (hier Artikel herunterladen) berichteten wir über die Chancen, welche die neue EU-Agrarreform resp. die damit einhergehenden Umweltauflagen – das sog. „Greening“ – für die von der Jägerschaft angestrebte Verbesserung der Lebensräume sowie der Nahrungs- und Deckungsangebote bieten. Jetzt, nachdem wir sowohl im LJV-Lehrrevier Weinsheim (Kreis Bad Kreuznach) wie auch im Rahmen unserer Beratungstätigkeiten erste Erfahrungen gesammelt haben, macht sich eine gewisse Ernüchterung breit.

Nachfolgend fassen wir noch einmal die für die Jägerinnen und Jäger wichtigsten Neuregelungen zusammen.

Umbruchverbot für Dauergrünland

Wesentliche Neuerungen sind das generell bestehende Umwandlungs- und Pflugverbot von Dauergrünland in Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebieten sowie die ab 1. April 2015 geltende Genehmigungspflicht für die Umnutzung von allem übrigen Dauergrünland. Die Folge war, dass viele – ökologisch durchaus wertvolle – Ackergrasflächen noch schnell umgebrochen und in Kulturen mit Marktordnungsfrüchten umgewandelt wurden. Viele der davon betroffenen Flächen befinden sich in unmittelbarer Waldrandnähe, was – neben dem Verlust der ökologischen Wirkung – zur Folge hat, dass die Wildschadensgefahr auf diesen Flächen deutlich gestiegen ist. Die mit dieser Regelung erhoffte Stabilisierung der Gesamtfläche des umweltsensiblen Dauergrünlandes wurde nach unserer Einschätzung bedauerlicherweise nicht erreicht.

Anbaudiversifizierung

Künftig gilt in vielen Fällen eine Anbaudiversifizierungspflicht. Ausgenommen sind landwirtschaftliche Betriebe mit weniger als zehn Hektar Ackerfläche; für sie gilt die sog. Kleinerzeugerregelung. Landwirtschaftliche Betriebe ab zehn Hektar Ackerfläche müssen mindestens zwei verschiedene Kulturen anbauen, Betriebe ab 30 Hektar mindestens drei. Hierzu zählen z. B. Mais, Winterweizen, Hafer, Roggen, Lupinen, Erdbeeren u. v. m. Die Hauptkultur darf bei Betrieben mit mehr als 30 Hektar nicht mehr als 75 % und die beiden größten Kulturen zusammen nicht mehr als 95 % des Ackerlandes betragen.

Ökologische Vorrangflächen

Zusätzlich zur beschriebenen Anbaudiversifizierung müssen alle Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerfläche ab 2015 auf mindestens 5 % der Ackerfläche ökologische Maßnahmen – sog. Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) – durchführen. Dabei ist es nicht egal, welche Maßnahmen sie umsetzen, denn diese werden nach ihrer ökologischen Wirkung unterschiedlich bewertet. So ist etwa der Anbau von Zwischenfrüchten auf der Fläche weniger wert als eine Brache oder etwa eine Hecke. Den verschiedenen Maßnahmen werden – entsprechend ihrer ökologischen Bedeutung – festgelegte Gewichtungsfaktoren zugeordnet. So hat z. B. eine Fläche mit Zwischenfrüchten den Gewichtungsfaktor 0,3, eine Brache 1,0 und eine ökologisch besonders wertvolle Hecke den Gewichtungsfaktor 2,0. Der Gewichtungsfaktor wird mit der Hektarzahl der ÖVF multipliziert. Beispiel:

Ein Betrieb mit 30 Hektar Ackerfläche muss 5 %, das heißt 1,5 Hektar ökologische Vorrangflächen nachweisen. Hierzu genügt es, wenn der Betrieb 0,5 Hektar Brache (x Faktor 1 = 0,5 ha ÖVF) und 0,5 Hektar Hecken (x Faktor 2 = 1,0 ha ÖVF) anlegt. Zusammen weist der Betrieb damit – wie vorgeschrieben – 1,5 Hektar ÖVF nach.
Welche Maßnahmen als ÖVF anerkannt werden, und welche Gewichtungsfaktoren den einzelnen Maßnahmen zugeordnet sind, können Interessierte der Tabelle entnehmen, die wir in der Dezemberausgabe 2014 von „Jagd & Jäger“  veröffentlicht haben (hier Artikel herunterladen).

Betriebe mit Grünlandbewirtschaftung sind übrigens unter bestimmten Voraussetzungen von den beschriebenen Vorgaben befreit.

Landwirte meiden komplizierte Lösungen

Die Einhaltung der Maßnahmen wird von den zuständigen Behörden streng kontrolliert. Aus diesem Grund – und wegen der Verpflichtung zum millimetergenauen Ausmessen – entscheiden sich die Landwirte oft für die am wenigsten komplizierten Lösungen. Denn das Ausmessen und das Anlegen der ÖVF sind oft mit einem enormen Zeitaufwand verbunden, und darüber hinaus können – auch versehentliche – Falschangaben zum Verlust der Direktzahlungsansprüche führen.

Leider erfüllen die unkomplizierten ÖVF-Varianten bei weitem nicht die hohen ökologischen, lebensraumverbessernden Erwartungen, die die Jägerschaft in die Realisierung des Greenings gesetzt hat. Denn je müheloser eine Maßnahme umzusetzen ist, desto geringer ist in der Regel der ökologische Wert der Maßnahme. Andererseits haben wir durchaus Verständnis für die Landwirte, die den Weg des geringsten Aufwands und der geringsten Sanktionsgefahr gehen.

So war es denn auch nicht verwunderlich, dass wir sowohl im LJV-Lehrrevier wie auch bei diversen Revierberatungen im Wesentlichen mit ÖVF-Versionen konfrontiert wurden, die nicht nur ökologisch weitestgehend wertlos, sondern – im Gegenteil – für den Jagdausübungsberechtigten sogar extrem nachteilig sind.
 


Beispiel 1:

Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit 30 ha Ackerfläche muss 5 % (= 1,5 ha) in ÖVF umwandeln. Der Landwirt entscheidet sich für 2,15 Hektar Sommergerste, bei der er einen Gewichtungsfaktor von 0,7 zugrunde legen kann. Fazit: Voraussetzung für den Erhalt der Direktzahlung erfüllt; ökologischer Wert = Null!


 

Beispiel 2:

Der gleiche landwirtschaftliche Betrieb wählt als ÖVF-Variante die Anlage einer 2,15 Hektar großen Fläche mit Stickstoff bindenden Pflanzen, z. B. Futtererbsen (Gewichtsfaktor: ebenfalls 0,7). Fazit: Voraussetzung für den Erhalt der Direktzahlung erfüllt; minimaler ökologischer Wert; allerdings deutlich erhöhte Wildschadensgefahr!
Nachbesserungsbedarf.

Die Umsetzung der EU-Agrarreform durch Anlage von ökologisch bedeutenden Hecken (Gewichtungsfaktor 2), Teichen (1,5), Gräben (2), Steinmauern (1) oder Pufferstreifen (1,5) konnten wir bei unseren Beratungsgesprächen in den Jagdrevieren so gut wie nicht feststellen. Alles in allem sehen wir bei den diesbezüglichen Vorgaben erheblichen Nachbesserungsbedarf, um insbesondere die ökologisch wertvollen Varianten für die Landwirte attraktiver zu gestalten.
Wer sich mit dieser zum Teil sehr komplexen Thematik tiefgehender befassen möchte, dem sei die über 120 Seiten umfassende Broschüre „Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland“ (als PDF herunterladen) empfohlen, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium herausgegeben wird und derzeit in der LJV-Geschäftsstelle in Gensingen (Tel. 06727-89440, E-Mail: inf@ljv-rlp.de) in geringen Stückzahlen vorrätig und kostenlos zu beziehen ist.

RJM Robert ACKERMANN, Leiter der LJV-Beratungsstelle
 

 

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