Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

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Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Entenbejagung am Abendstrich in Warnkleidung

Herbst/Winter und Entenjagd am Abendstrich – eine stimmungsvolle Jagd zum Gewinnen eines tollen Wildbrets. So auch in unserem Lehrrevier Weinsheim; hier befindet sich ein Regenrückhaltebecken und ein Bachlauf, wo häufiger Stockenten anzutreffen sind – manchmal tagsüber, häufiger jedoch beim abendlichen Entenstrich. Damit eine Jagd effektiv verläuft, muss auch hier eine detaillierte Planung erfolgen: Wo und aus welcher Richtung fallen die Enten ein, wohin werden sie abstreichen und wohin kann geschossen werden ohne Dritte (Autofahrer, Spaziergänger, Anwohner) zu gefährden?

Beim abendlichen Entenstrich fallen die Enten meist gegen den Wind ein. Entsprechend sind geeignete Stände freizuschneiden und zu markieren. Um diese festzulegen empfiehlt es sich, das Gewässer einige Tage zuvor abends aufzusuchen und aus einiger Entfernung die einfallenden Enten zu beobachten.

So lassen sich die aussichtsreichsten Plätze festlegen und die Anzahl der Schützen möglichst reduzieren. Alle Schützen werden auf einer Seite des Gewässers platziert, damit eine gegenseitige Gefährdung ausgeschlossen werden kann (z.B. bei evtl. notwendigen Fangschüssen auf das Wasser).

Zum Stöbern auf Enten am Gewässer gilt folgendes: Beim Herantreten an das Gewässer sollten sich die möglichst getarnten Schützen in einer Entfernung von ca. 20 m an der dem Wind zugewandten Seite des Gewässers positionieren. Dadurch können die gegen den Wind „startenden“ Enten leichter angesprochen und Schüsse sicherer angetragen werden. Zudem wird der Schütze nicht vom plötzlichen Erscheinen der Ente überrascht, was eintreten würde, wenn man direkt an der Deckung des Gewässers steht.
 

Nicht nur wir Menschen empfinden das Rot der Warnjacke als Signalfarbe.


Ein einzelner Jäger (oder auch Treiber) mit stöberndem Hund wird dann an das Gewässer herantreten, um die dort sitzenden Enten hochzumachen. Aus Sicherheitsgründen darf kein Schütze auf flach (Schusswinkel < 45°) abstreichende Enten in eine Richtung schießen, in der Personen gefährdetet werden könnten (Straßen, Wege oder gar Siedlungen). Bekanntermaßen ergibt sich ein Gefährdungsbereich aus der verwendeten Schrotkorngröße mal 100 m!

Ein oft nicht beachtetes Thema betrifft die Sicherheit der Schützen im Hinblick auf die Bestimmungen der VSG 4.4 („UVV Jagd“). Dabei sind u.U. die Regelungen des § 4 dieser Vorschrift zu beachten – die besonderen Bestimmungen für Gesellschaftsjagden. Unter Abs. 12 findet sich die Vorgabe, der zufolge sich alle an der Gesellschaftsjagd unmittelbar Beteiligten deutlich farblich von der Umgebung abheben müssen. In RLP wird eine Jagd als Gesellschaftsjagd ausgeübt, wenn an ihr mehr als drei Personen als Jagdausübende teilnehmen. Andererseits ist bekannt, dass Vögel, anders als z.B. Schalenwild, sehr wohl Farben unterscheiden können.

Um das Thema zu hinterfragen, waren wir an zwei verschiedenen Gewässern mit Warnbekleidung im Camouflage-look zu mehreren Abendstrichen auf die Stockente unterwegs. Dabei kamen wir zu
 

recht eindeutigen Ergebnissen: Die Enten, welche an den Abenden zuvor noch im Hellen eingefallen waren, zogen mehrere Kreise, fielen aber nicht ein. Erst als es schon sehr dunkel war, landeten einzelne Enten. Wie wir auch schon vorher vermuteten, Enten können die rote Farbe wahrnehmen – selbst das camouflage-rot im Herbstlaub bleibt für die Vögel deutlich sichtbar.
 

Beim Aufstöbern spielt die Warnbekleidung dagegen keine Rolle, da die Enten ja nicht einfallen sondern abstreichen.
Zum Schluss noch der Hinweis, das an und über Gewässern selbstverständlich nur mit bleifreier Schrotmunition gejagt werden darf und ausreichend brauchbare Jagdhunde mitgeführt bzw. eingesetzt werden müssen.

Wildmeister Christoph HILDEBRANDT, LJV-Landesjagdschule
 

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