Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Brutpaarermittlung beim Rebhuhn
Paarhuhner_im_Lehrrevier_Weinsheim_klein

Die Bewahrung der gesamten Vielfalt der bejagbaren Wildarten geht grundsätzlich alle Jagdscheininhaber an. So ist der Rotwildjäger nicht nur „seinem“ Rotwild oder der Rehwildjäger „seinem“ Rehwild verpflichtet. Sie können ihre Mitverantwortung für die Erhaltung des gesamten Spektrums der Wildarten ebenso wenig in Abrede stellen, wie – umgekehrt – der „Niederwildjäger“, der auch für eine sachgerechte Bewirtschaftung der Hochwildarten einzutreten hat. Eine Verpflichtung, die auch jedem einzelnen Grundeigentümer und den Jagdgenossenschaften obliegt.

Im Jahr 2012 hatte der LJV das Rebhuhn zur Leitwildart des Offenlandes ausgerufen. Denn vor allem das Rebhuhn benötigt den hegenden Jäger heute mehr denn je. Gem. § 42 Abs. 6 der im August 2013 in Kraft getretenen Landesjagdverordnung dürfen Rebhühner nur noch in Jagdbezirken mit einer Besatzdichte von mehr als 3,0 Revierpaaren pro 100 ha bejagbarer Offenlandfläche erlegt werden. Die gesetzliche Grundlage dieser Regelung findet sich in § 31 Abs. 8 und 9 Landesjagdgesetz (LJG) unter dem Stichwort „günstiger Erhaltungszustand“. Ist ein solcher nicht gegeben, kann die zuständige (obere) Jagdbehörde den Abschuss dieser Wildarten in bestimmten Gebieten oder in einzelnen Jagdbezirken dauernd oder zeitweise gänzlich verbieten.

Die Feststellung der Besatzdichte durch Zählung im Frühjahr obliegt der jagdausübungsberechtigten Person. Diese muss die beabsichtigte Durchführung der Zählung der unteren Jagdbehörde rechtzeitig im Vorfeld anzeigen und ihr das Zählergebnis zur Prüfung und zur gegebenenfalls erfolgenden Festsetzung eines höchstzulässigen Abschusses mitteilen.

Zwecks Ermittlung eines Verfahrens zur Bewertung des günstigen Erhaltungszustandes der Rebhuhnpopulationen in Rheinland Pfalz hatte die obere Jagdbehörde im Jahr 2013 einen entsprechenden Forschungsauftrag an die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt erteilt. Die Ergebnisse wurden im vergangenen November in Trippstadt vorgestellt. Hier können Sie die Ergebnisse sehen.

Dabei wurde u. a. für 22 Landkreise und kreisfreie Städte ein „ungünstiger bis schlechter“, für sieben ein „ungünstiger bis unzureichender“ sowie für sechs Kreise ein „nicht mehr günstiger Erhaltungszustand des Rebhuhnes diagnostiziert. Nur noch in den Landkreisen Bad Kreuznach, Mainz-Bingen, Alzey-Worms, Rhein-Pfalz, sowie in den Stadtkreisen Worms und Frankenthal bestünde überhaupt die Möglichkeit der Bejagung nach vorheriger Zählung.

Derzeit wird geprüft, ob die zugrunde gelegte Untersuchungsmethode geeignet war, diese Konsequenz zu begründen. Denn es wurden offensichtlich nur Streckendaten sowie Erfassungsdaten der GNOR, des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) und von „Ornitho.de“ zugrunde gelegt. Wie und durch wen diese Daten allerdings bei GNOR und DDA erfasst wurden, wussten deren – bei der Vorstellung anwesenden – Vertreter leider nicht zu sagen.

Rebhuhnzahlung_klein

Unabhängig von der zuvor erwähnten Überprüfung und einer evtl. sich anschließenden juristischen Bewertung rufen wir alle rheinland-pfälzischen Revierinhaber dazu auf, rechtzeitig Zählungen der Rebhuhnbesätze durchzuführen und diese bei der zuständigen unteren Jagdbehörde anzumelden. Dies ist notwendig, um verlässliche und gesicherte Zahlen sowie Grundlagendaten – u. a. für eine ggf. mögliche Bejagung – zu erhalten. Führen Sie die Zählungen gewissenhaft und nach der nachfolgend beschriebenen Zählmethode durch.

Das Zählen der Brutpaare lässt sich unproblematisch und mit geringem Zeitaufwand durchführen. Hierzu wird lediglich ein kleiner transportabler Lautsprecher benötigt, der den

Lockruf des Rebhuhns über SD-Karte oderUSB-Stick abspielen kann. Ein solcher Lautsprecher ist für ca. 20,- Euro in Elektrofachgeschäften erhältlich. Hier können Sie den Lockruf als mp3-Datei herunterladen.

Bevor sich die Rebhuhnketten des Vorjahres im Februar auflösen, werden einige Zählstrecken im Feldteil des Reviers ausgesucht und in einer Revierkarte markiert. Diese Zählrouten sind dann kurz vor bzw. während der Balz in der Zeit des Sonnenuntergangs abzulaufen.

Im Abstand von ca. 50 m wird der Lockruf des Rebhuhns abgespielt und in den nächsten Minuten der jeweilige Bereich verhört (bitte beachten: Wind und/oder Regen beeinflussen die Hörbarkeit nachteilig). Antwortet ein Rebhuhn, wird dieses „Paar“ als solches auf der Karte erfasst. Um eine Doppelzählung zu vermeiden, ist darauf zu achten, dass die antwortenden Hühner nicht folgen. Aus dem gleichen Grund sollten die zuvor ausgewählten und in die Revierkarte eingetragenen Zählstrecken mindestens 150 m auseinanderliegen. Um Zufälle auszuschließen, sollte die Zählung mehrfach wiederholt werden.

Die Berufsjäger der Landesjagdschule bzw. der LJV-Beratungsstelle in Gensingen (Info@ljv-rlp.de) stehen für Rückfragen zu diesem Thema gerne zur Verfügung.

                                                              Wildmeister Christoph HILDEBRANDT, Leiter der Landesjagdschule

Wildschäden auf Grünlandflächen durch Schwarzwild

In der Novemberausgabe 2011 wiesen wir in der Rubrik „Aus dem Lehrrevier“ bereits auf die zu erwartenden Wiesenschäden durch Schwarzwild hin. Landesweit war die Einzeljagd auf unsere Schwarzkittel deutlich erschwert. Die Gründe: Starke Mast und fehlender Schnee (Stand bis Redaktionsschluss). Die Folge: Erhöhte Wiesenschäden.

Um entstandene Wildschäden genau zu berechnen, bedarf es nicht nur der pauschalen Einschätzung „guter oder schlechter Standort“ von Weiden und Wiesen. In der Berechnungstabelle der Landwirtschaftskammer (LWK) Rheinland-Pfalz findet sich ein deutlicher Preisun-terschied von 0,03 Euro/m² bis zu 0,14 Euro/m² auf Wiesen und 0,03 Euro/m² bis 0,21 Eu-ro/m² auf Weiden. Auf einen Hektar Schadfläche umgerechnet, ergeben sich dadurch Differenzen von 1.100 Euro/ha bei Wiesen und 1.800 Euro/ha bei Weiden.

In den Richtsätzen zur Ermittlung von Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen der LWK wird lediglich bei der Wiese zwischen extensiver bzw. intensiver Nutzung auf schwachen bzw. guten Standorten unterschieden. In der Regel ist das klärende Gespräch mit dem geschädigten Landwirt über die Höhe des zu erstattenden Schadens von Vorteil. Sollte es dabei nicht zu einer gütlichen Einigung kommen, ist es für den Ersatzpflichtigen wichtig zu wissen, um welchen Wiesen- oder Weidentyp es sich handelt. Zur Bestimmung der Wiesen- und Weidenqualität sind folgende Faktoren heranzuziehen:

Qualitat_der_Wiese

1. Um welche Pflanzengesellschaft handelt es sich? Es gibt deutliche Unterschiede in den Futterwertzahlen der einzelnen Pflanzen, welche die Qualität der Wiese bestimmen.
 
2. Wie hoch ist die durchschnittlich zu erwartende Jahresniederschlagsmenge?

3. Welche Nährstoffversorgung wird auf der Wiese durchgeführt? Wie viel kg Dünger/ha werden ausgebracht?

Nähere Informationen für die genaue Qualifizierung finden Sie auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer (www.LWK-RLP.de, Rubrik „Landwirtschaft“ / „Wildschaden“) als Pdf-Datei zum herunterladen.

Die Kosten zur Wiederherrichtung der Grasnarbe sind separat zu berechnen. Die Durchführung einzelner maschineller Wiederherrichtungen größerer, zusammenhängender Schäden kann auf unterschiedliche Art erfolgen. Grundsätzlich ist bei der Auswahl der unterschiedlichen Verfahren zu unterscheiden, ob es sich um flache oder tiefe Aufbrüche handelt. Der Geschädigte muss in jedem Fall die kostengünstigste Variante der Wiederherstellung wählen. Die Maschinenkosten für diese Arbeit belaufen sich auf 0,03 Euro bis 0,08 Euro/m² inkl. Saatgut. Er kann dies selbst durchführen oder einen Lohnunternehmer beauftragen. Der Schadensersatzpflichtige selbst darf die Wiederherrichtung nur mit Zustimmung des Geschädigten vornehmen.

Einsatz_Wiesenhobel

Am 17. März findet in unserer Landesjagdschule ein Seminar zu diesem Thema statt. Nähere Informationen finden Sie in der Seminarbeschreibung im vorderen teil dieses Heftes sowie auf unserer Internetseite (www.ljv-rlp.de/html/seminare.html).

                                                   ROJ Christoph HILDEBRANDT,
                                                   Leiter der Landesjagdschule      

Nachdem ich nun seit geraumer Zeit das Lehrrevier betreue und wir einige alte jagdliche Einrichtungen übernommen haben, ist nun die Zeit gekommen, diese auf „Herz und Nieren“ zu überprüfen. Laut Unfallverhütungsvorschriften sind alle jagdlichen Einrichtungen einmal jährlich sowie bei jeder Betretung auf Ihre Sicherheit zu überprüfen. Dabei gilt es nicht nur, dem Gesetz Genüge zu tun, sondern auch der eigenen Verantwortung für sich und Andere gerecht zu werden.

Jetzt jagdliche Einrichtungen überprüfen
Leiter

Bei der Überprüfung der Hochsitze müssen nicht nur die Leiterholme und -sprossen hinsichtlich der Brauchbarkeit untersucht, sondern auch Streben, Aufrichter und Verankerungen festgezogen werden. Oftmals sind die Streben und Aufrichter auf Steinplatten gestellt. Mit der Zeit stehen diese jedoch nicht mehr frei auf den Steinen, was die Haltbarkeit beeinflussen kann. Daher ist es wichtig, das Laub und die Erde zu beseitigen. Die zur Befestigung einge-schlagenen Heringe sitzen – bedingt durch Frost und Nässe – häufig locker und müssen neu eingeschlagen oder erneuert werden. Die Stellen, an denen das Wasser vom Dach auf Ver-strebungen tropft, sind ebenso gefährdet, denn auch da wird das Holz faul. Aber Achtung: Häufig ist dem Holz nichts anzusehen. Am besten lässt sich das Holz an den betreffenden Stellen mit der Klangprobe überprüfen.

Hierzu nimmt man seinen Hammer und schlägt dagegen – ist der Klang dumpf, ist dieses Teil auszutauschen.

Meist sind die Leiterholme und Sprossen als erstes faul. Häufigste Ursache sind die Einkerbungen in die Leiterholme. Wenn die Leiter ausgetauscht werden muss, ist es daher für die Haltbarkeit besser, man kerbt diese Holme nicht mehr ein, sondern setzt ein Abstützholz zwischen die Sprossen (s. Foto oben), oder man verwendet sogenannte „Sprossenfix“ mit Ankernagel (s. Fotos unten). Diese sind für rund 40 Cent pro Stück  im Fachhandel erhältlich.

Bedenken Sie bitte, dass Sie als Jagdpächter und/oder bestätigter Jagdaufseher immer in die Verantwortung genommen werden können, wenn aufgrund von nicht ordnungs-gemäß unter-haltener jagdlicher Einrichtungen Personen zu Schaden kommen.
Daher empfehle ich, einen alten Sitz im Zweifelsfall eher abzureißen, als ihn – nach dem Motto „Ich weiß ja, wo ich drauftreten kann, mir passiert schon nichts“ – stehen zu lassen. Und noch ein kleiner Hinweis zum Schluss:

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Als Jäger sind wir auch und vor allem dem Natur- und Umweltschutz verpflichtet. Daher verbleiben abgerissene Hochsitze oder deren Teile nicht im Wald, sondern sind ordnungsgemäß zu entsorgen.

                                                                      Revieroberjäger Christoph HILDEBRANDT, Leiter der Landesjagdschule

Wildentenbruthilfe im Lehrrevier

Revierjagdmeister Robert Ackermann beim Befestigen einer Entenbruthilfe. Foto: LJV

In jedem Revier mit bereits kleinen Wasserflächen können sie vorkommen – die Wildenten.
Von den dem Jagdrecht unterliegenden zwölf Entenarten ist die Stockente am häufigsten in rheinland-pfälzischen Revieren anzutreffen. Um diese – aber auch den anderen Wildentenarten – zu hegen, bedarf es gar nicht so viel Aufwand.


Eine der einfachsten, gleichzeitig aber erfolgreichsten Hegemaßnahmen ist die Errichtung von Bruthilfen an Gewässern. Gerade der Monat Februar – rechtzeitig also vor der kommenden Brutsaison – bietet sich für diese Arbeit an. Ab Mitte Februar besetzen die Enten bereits ihre Brutplätze, und die ersten Gelege finden sich schon Ende März. Zwar sind natürliche Nistmöglichkeiten im Schilf oder in großen Brennesselbeständen oft die erste Wahl, dennoch nehmen Enten auch künstliche Bruthilfen gerne an. Im LJV-Lehrrevier haben wir im vergangenen Jahr drei der unten beschriebenen Bruthäuser an einem kleinen Teich errichtet, und gleich im ersten Jahr konnte ein Bruterfolg verzeichnet werden.

Der richtige Standort einer künstlichen Nisthilfe ist für den Bruterfolg äußerst wichtig. Gute Standorte sind jene, an denen sich die Ente sicher fühlt, und wo wenig Besucherverkehr herrscht. Gemeint sind Störungen durch den Menschen, aber auch durch Prädatoren, z. B. Rabenkrähen und Wanderratten, die den Bruterfolg erheblich beeinflussen können. Gegen die Prädation der Rabenkrähe hilft primär eine scharfe Bejagung (bis 20. Februar), um die Brutpaardichte auf ein erträgliches Maß abzusenken. Der Einfluss der Wanderratte auf die Gelege kann durch Besatzreduktion mittels genehmigter Auslage von Rattengift verringert werden.

Während des Brütens selbst, wird sich die Ente dann am sichersten fühlen, wenn sie eine Rundumsicht nach außen hat, aber selbst nicht bemerkt wird („Gardineneffekt“). Um das Entengelege vor neugierigen Blicken durch den Menschen zu schützen, sollte man die Bruthilfen in der Wasserfläche errichten, und zwar so, dass man nur wasserseitig an diese gelangen kann – entweder mit Wathosen oder von einem Boot aus. Alles was mit Gummistiefeln erreichbar ist, ist nicht ausreichend sicher. Gegen ungebetenen „Besuch“ heranschwimmender Ratten wird eine Klettersperre (z. B. Blechmanschette) an den Pfählen angebracht. Das Anflugbrett sollte immer zur Wasserseite zeigen und die Öffnung nach Südosten ausgerichtet sein. Das Entenbruthaus wird – unterstützend – mit einer Brutmulde aus Torf versehen.

Interessierte können sich Bruthilfen-Bauanleitungen, die von Revierjagdmeister Peter Panzer und Wildmeister Gerold Wandel erstellt wurden, hier herunterladen. Weitergehende Informationen sind dem Buch „Die Hege der Stockente im Binnenland“ (Autor: Revierjagdmeister Peter Panzer) zu entnehmen.

Wildmeister Christoph HILDEBRANDT
 

Entenbruthilfe nach Revierjagdmeister Peter Panzer. Quelle: Peter Panzer

Entenbruthilfe nach Wildmeister Gerold Wandel. Quelle: Gerold Wandel

 

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