Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Wildschaden im Winter - Maisreste auf neu bestellten
Wintergetreide-Flächen

In den Monaten von September bis März treten häufig Kahlstellen sowie Wildschäden im Wintergetreide und Grünland auf. Ursächlich hierfür ist nicht immer nur das (ersatzpflichtige) Schalenwild; auch Schäden durch andere – nicht ersatzpflichtige – Tierarten (Mäuse, Tauben, Krähen etc.), Pflanzenkrankheiten sowie falsche Anwendung von Insektiziden, Herbiziden oder Fungiziden können hierfür verantwortlich sein.

Das häufigste, die jagdausübungsberechtigte Person (JAB) betreffende Problem (sofern die Übernahme des Wildschadens vereinbart wurde) ist die Neueinsaat von Wintergetreide, welches kurz nach der Maisernte gedrillt wird. In den von Wildschäden betroffenen Maisflächen bleibt es nicht aus, dass Wildschadensrückstände (z.B. Maiskolben) auf dem Feld zurückbleiben. Natürlich ist nun voraussehbar, dass Schwarzwild erneut in die Neueinsaat geht und nach den untergearbeiteten Maisresten bricht.

Maisreste

Im ersten Augenblick sieht dieser Schaden sehr gravierend aus. Jedoch lässt sich bei genauerem Betrachten erkennen, dass das Schwarzwild nicht nach dem gebeizten Saatgut bricht, sondern „lediglich“ die Erntereste aus dem Boden holt. Dadurch verschieben die Sauen zwar das neu gedrillte Saatgut, nehmen dieses selbst jedoch nicht auf. Sollte das Wintergetreide noch nicht aufgelaufen sein (gekeimt haben), werden Sie ein bis zwei Wochen später erkennen, dass die neuen Pflanzen auch in der umgebrochenen Erde normal auflaufen.

Als Faustzahl für „normale“ Bestände gelten folgende Pflanzenzahlen/m²:

Winterweizen: 270 – 300 Pflanzen/m²

Wintergerste: 250 – 280 Pflanzen/m²

Raps:   15 –   20 Pflanzen/m²

Steht die genannte Anzahl von Pflanzen pro/m² auf dem neu bestellten Acker, kann der Landwirt im darauf folgenden Jahr einen normalen Ertrag einfahren. Machen Sie sich die Mühe und zählen Sie die Pflanzen an den geschädigten Stellen aus, so gewinnen Sie einen guten Überblick über die tatsächliche Schadenslage.

Zollstock

Problematisch wird es allerdings, wenn das Wintergetreide schon gekeimt hat. Denn wenn durch das Brechen der Schwarzkittel gekeimtes Wintergetreide mit der Wurzel nach oben liegt, stirbt es ab. Lässt sich dieser Schaden durch Neueinsaat noch im selben Wirtschaftsjahr beheben, ist der Jagdausübungsberechtigte verpflichtet die entstehenden Maschinenkosten sowie das neu gedrillte Saatgut zu ersetzen.

Entsprechende Schadbilder würden jedoch oft nicht – oder zumindest nicht in diesem Umfang – entstehen, wenn die o.g. Wildschadensreste ordnungsgemäß abgeräumt worden wären. Die anfallenden Kosten für diesen Arbeitsaufwand muss der JAB tragen, mit ca. 270,- Euro/ha oder 2,7 Cent/m² (Anmerkung: Natürlich trifft dies nur und ausschließlich auf Wildschadensrückstände zu, die Beseitigung „normaler“ Ernterückstände kann selbstverständlich nicht dem JAB berechnet werden!)

In diesem Zusammenhang ist auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) hinzuweisen, in dem es heißt:

§ 254 Mitverschulden

(1) Hat bei der Entstehung des Schadens ein Verschulden des Beschädigten mitgewirkt (Landwirt pflügt Mais unter), so hängt die Verpflichtung zum Ersatze sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von einem oder dem anderen Teile verursacht worden ist.


Hierzu ein Beispiel aus der Praxis: Ein durch Schwarzwild verursachter Wildschaden in einem Maisfeld wurde dem Landwirt entschädigt. Der Landwirt bestellt das Feld neu, ohne die darauf liegenden Schadensreste (Kolben) zu entfernen. Wie oben beschrieben, entsteht ein Schaden. Damit trifft den Landwirt zumindest ein erhebliches Mitverschulden beim Entstehen des Schadens, das im Einzelfall dazu führen kann, dass ein Anspruch auf Schadensersatz voll-ständig abgelehnt werden kann.

Dies bestätigt ein Urteil des Landgerichtes Schwerin, das den beklagten Jagdpächter vom Ersatz des Wildschadens freigesprochen hatte. Das Gericht nennt in seinen Entscheidungsgründen als (weitere) Beispiele für nicht ordnungsgemäße Landbewirtschaftung, das Einpflügen von Bodenfrüchten wie Rüben und Kartoffeln oder das Unterpflügen von abgehäckseltem, nicht abgeernteten Mais mit nachfolgender Getreideaussaat (LG Schwerin, vom 8.11.2002, Az. 6 S 269/01).

Sollten Sie die Schadflächen selbst abräumen, muss der Landwirt dem vorab zugestimmt haben. Bedenken Sie jedoch bitte, sofern Sie das Feld nicht ordnungsgemäß abgeräumt haben, trifft Sie die vollständige Verantwortung für den danach evtl. entstehenden Wildschaden – und somit auch die Zahlungsverpflichtung!
Bei einem (finanziellen) Ausgleich des Schadens sind die entsprechenden Regelungen des Landesjagdgesetzes zu beachten, insbesondere

§ 40 LJG

(2) Werden Bodenerzeugnisse, deren voller Wert sich erst zur Zeit der Ernte bemessen lässt, vor diesem Zeitpunkt durch Wild beschädigt, so ist der Wildschaden in dem Umfang zu ersetzen, wie er sich zur Zeit der Ernte darstellt
.
 
Auch hierzu ein Beispiel: Schwarzwild hat Wintergetreide vor dem Keimen umgebrochen; der Landwirt verlangt 0,17 Euro/m², weil er von einem Ertrag von 60 dt/ha ausgeht. Eine derartige Forderung ist unrealistisch. Kein Landwirt und Wildschadensschätzer kann beurteilen, wie hoch der Ertrag im kommenden Wirtschaftsjahr sein wird, zu viele jagdfremde Faktoren (Witterung, Insekten, falsche Bewirtschaftung) können dies beeinflussen.

Im oben zitierte Paragraphen heißt es weiter: Bei der Feststellung der Schadenshöhe ist jedoch zu berücksichtigen, ob der Schaden nach den Grundsätzen einer ordentlichen Wirtschaft durch Wiederanbau im gleichen Wirtschaftsjahr ausgeglichen werden kann.

Wenn also die Möglichkeit besteht, die geschädigte Fläche im gleichen Jahr noch einmal neu zu bestellen oder eine andere Fruchtart angebaut werden kann, muss der Landwirt dies tun, jedoch muss der JAB dem Geschädigten die hierfür entstehenden Kosten erstatten, und der Landwirt darf dadurch (finanziell) nicht schlechter gestellt werden.
Bei jeder Feststellung und Schätzung von Wildschäden beachten Sie bitte die „Richtsätze zur Ermittlung von Wildschäden“. Die Richtsätze werden durch die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz jährlich aktualisiert und können von der Homepage des LJV (http://www.ljv-rlp.de/html/wildschaden.html) heruntergeladen werden.

Weiterhin möchten wir Sie auf die auch im nächsten Jahr wieder stattfindenden Wildschadensseminare in der Landesjagdschule hinweisen.

Literaturtipp: Pflanzenkrankheiten und Schädlinge im Ackerbau Heitefuss/ König/ Obst/ Reschke, BLV Buchverlag GmbH & Co.; Auflage: 3., erw. A. (März 2000), ISBN 978-3405144739.

                                                                                                        Robert ACKERMANN, Revierjäger und Landwirt
 

Anlage eines Luderplatzes

Die Anlage des Luderplatzes sollte genau durchdacht sein. Zunächst sind Hauptwindrichtung und „Fuchsleitlinien“ zu beachten, denn die Ansitzeinrichtung muss so platziert werden, dass dem Jäger der Wind „ins Gesicht“ weht, und der Fuchs dennoch vertraut an den Luderplatz kommen kann. Geschlossene, mit Teppich ausgelegte Kanzeln mit großen, scheibenfreien Fenstern eignen sich für den Luderplatz am besten, da der hellhörige Reinecke ein ausgezeichneter Bewegungsseher ist, der einen Waidmann auf einer offenen Leiter problemlos wahrnehmen kann. Um den Sitz auf leisen Sohlen erreichen zu können, sollte ein Pirschweg angelegt werden. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn auch das Raubwild nimmt solche Pirschwege überaus gerne an – aus dem gleichen Grund wie der Jäger selbst.

Der Luderplatz sollte rund 25 Meter von der Kanzel entfernt angelegt werden. Die Anlage einer Mäuseburg ist durchaus sinnvoll, denn die dort lebenden Mäuse und Ratten ziehen den Rotrock regelrecht an. Als Luder dürfen nur Wildteile verwendet werden – das Ausbringen jeglicher Schlachtabfälle ist verboten!
 
Das Luder sollte mit einem Spaten, auf drei bis fünf Löcher verteilt, eingegraben werden. Diese Vorgehensweise hat mehrere Vorteile:
 
- Fliegen können sich nicht auf das Fleisch setzen und Eier legen,

- Spaziergänger mit Hunden finden das Luder nicht so einfach,

- Sind die Löcher, in dem das Luder vergraben ist, mit Stöcken versehen, lässt sich leicht kontrollieren, ob der Luderplatz angenommen wurde,

luder_vergraben

- Mäusebussard oder andere Greifvögel können nicht an das Luder gelangen,

- Die Verwesung setzt an heißen und sonnigen Tagen nicht so schnell ein.
Zu bedenken ist, dass Raubwild nur frisches Luder annimmt und vergammeltes oder mit Maden befallenes Fleisch i.d.R. meidet. Die oft beschriebenen Luderschächte sind daher nicht zu empfehlen.

Die Größe der einzelnen Luderstücke spielt auch eine Rolle. Als Vorteilhaft haben sich etwa tennisballgroße Stücke erwiesen, da somit unter Umständen keine Reste übrig bleiben, die entsorgt werden müssten. Um bei der Portionierung des Luders weniger Arbeit zu haben, kann das dafür vorgesehene Wildfleisch zuvor eingefroren und anschließend mit einem Beil in die gewünschte Größe gehackt werden.

Für eine effektive Raubwildbejagung an Luderplätzen empfiehlt sich zudem der Einsatz von Hasenklage, Vogelangstschrei oder Mauspfeifchen.

Je nach Reviergröße können mehrere Luderplätze in unterschiedlichen Windrichtungen ange-legt werden. Aber nicht vergessen: Pro 150 Hektar – nur ein Luderplatz.

                                                                                                                            Revierjäger Robert ACKERMANN
 
 

 

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