Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Der Dachs ist auf!

- Natürlich ist auch die Baujagd – mit geeigneten Hunden – nach wie vor eine gute Methode, dem Dachs auf die Schwarte zu rücken. Da er allerdings nur ungern vor dem Hund den Bau verlässt, ist immer damit zu rechnen, dass der Bau gegraben werden muss. Daher sind Felsbaue natürlich denkbar ungeeignet für diese Jagdart.

Uns erreichen immer wieder Anfragen, ob die Jagdzeit auf den Dachs nicht verändert werden könnte – wie dies aktuell in Hessen erfolgt ist (dort beginnt die Jagdzeit auf den Dachs bereits am 1. Juli und reicht bis zum 31. Januar). Der Niederwildausschuss würde eine entsprechende Jagdzeitenverlängerung auch für Rheinland-Pfalz sehr begrüßen.

                                                           Revieroberjäger Christoph HILDEBRAND, Leiter Landesjagdschule Oberwiesen
 

In vielen Revieren gehört der Dachs seit langer Zeit zum festen Bestandteil der Wildbahn. Doch er wird normalerweise jagdlich kaum genutzt. Den alten Spruch „Wer den Bau hat, hat den Dachs“ kennen die Meisten, aber nur Wenige reagieren jagdlich darauf.

Insgesamt haben sich die Besätze seit der Baubegasung in den 70er Jahre sehr gut erholt (JJ 1972/73: 203, JJ 2009/10: 2780 Stk. in Rheinland-Pfalz) und lassen daher auch eine intensive Nutzung zu. Zumal die Anwesenheit des „Allesfressers“ Dachs in mehrfacher Hinsicht als nicht unproblematisch zu sehen ist: Zum Einen nutzt der Dachs im Sommer nur zu gerne die Möglichkeit, sich in den Getreide- und Maisäckern gütlich zu tun. Die entstehenden Dachs-Schäden sind übrigens – im Gegensatz zu den Schäden durch Schwarzwild – nicht durch den Jagdausübungsberechtigten zu ersetzen (sofern nicht vertragliche Sonderregelungen vereinbart wurden). Zum Anderen ist der Dachs als Boden jagender Prädator auch nicht zu unterschätzen, was das Erbeuten von Gelegen oder Jungtieren von Bodenbrütern angeht.

Dachs_aufgebrochen

Bleibt die Frage nach der Nutzung des erbeuteten Dachses. Hier fallen dem Jäger sicher zunächst die gegerbte Schwarte als Wand- oder Bodenschmuck ein oder der durch den „Helm“ markante, präparierte Schädel zu Schau- und Lehrzwecken. Nach wie vor gibt es zudem einen Markt für das Dachshaar, das gerne zu Rasierpinseln verarbeitet wird – und schließlich ist das Wildpret – nach vorheriger Trichinenuntersuchung – sehr wohl genießbar und Dachsschinken ist ein gesuchtes und hochpreisiges Lebensmittel.

Dachs_in_Abfangkorb__Betonrohrfalle_

- Einer meiner Jagdfreunde hat eine effektive Falle entwickelt. Er hat dazu in ein 20er Kunststoffrohr ein Ahrenshosterfangsystem eingebaut und den Ausgang mit Plexiglas versehen. Diese Falle vor den Kunstbau gestellt: innerhalb kurzer Zeit (1 – 2 Tage) sitzt Schmatzmann in der Falle.

wer_den_Bau_hat_hat_den_Dachs

- Auch die Betonrohrfalle von Dr. Spittler hat in obstreichen Gehölzen auch schon so manchen Dachs gebracht.

Zum ersten Mal: Wildkräuter-Grillseminar war voller Erfolg

In der Landesjagdschule und im LJV-Lehrrevier fanden in diesem Jahr erstmals zwei neu konzipierte Wildkräuter-Grillseminare statt. Die Vermittlung von Wissen über vorkommende Wildblumen und -kräuter im Revier und die Verwendung der Blüten und Kräuter beim Zubereiten von Wildgerichten war eine interessante Kombination, die bei den Seminarteilnehmern hervorragend ankam. Ein Biologieunterricht mit kulinarischer Note!
 

Es lohnt sich also, dem Dachs jagdlich nachzustellen. Daher hier einige Tipps zu seiner Bejagung:

- Setzen Sie sich mit einem Jagdfreund an einen Bau und erwarten Sie die Jungdachse. Das ist die einfachste Jagd auf den Dachs. Gelingt eine solche Erlegung am Bau, wird der Rest der Familie diesen rasch verlassen und in nahe gelegene Ausweichmöglichkeiten umziehen. Sollte sich in der Nähe ggf. ein Kunstfuchsbau befinden, wird dieser gerne angenommen. Heureste und Geschleif verraten dann Meister Grimbart sofort.

- Sehr gut lässt sich der Dachs auch an seinen Pässen an und in Maisäckern erlegen. Von einem kleinen Schirm aus oder einfach in Tarnkleidung nahe einer Deckung, lässt er sich bei seinen regelmäßigen Ausflügen „abpassen“.

Die rund 40 Teilnehmer (20 pro Seminar) trafen sich zunächst im LJV-Lehrrevier Weinsheim (Kreis Bad Kreuznach). Für die ca. 1 km lange „Kräuter-Wanderung“ benötigten die Teilnehmer knapp zwei Stunden. „Kräuterhexe“ Gudrun Krennrich aus Mölschbach fand auf Schritt und Tritt eine neue Pflanze, über die sie informativ und kurzweilig berichten konnte – etwa welche Pflanzen essbar, heilend und/oder giftig sind. Darunter Scharfgabe, Wegerich, Oregano, Thymian, Acker-Stiefmütterchen, Blüten von Wegwarte, Glockenblume, Nachtkerze, Holunder, Malven, Klatschmohn, Melde, verschiedene Kohlsorten, Amarant und junge Brennnesseln (für den vorgesehenen Salat). Um später den Durst mit Tee löschen zu können, standen auch Johanniskraut und junge Fichtentriebe auf dem „Einkaufszettel“.

Alle Seminarteilnehmer waren mit großem Eifer bei der Sache und steuerten immer wieder eigene Erfahrungen und eigenes Wissen bei. Auf diese Weise konnten im Laufe des Tages nicht nur die zahlreichen Rezepte der „Kräuterhexe“ besprochen werden. Die „Schüler“ tauschten auch eigene Rezepte und Kreationen aus, wie z. B. Walnusslikör oder „Schwarze Nüsse süß-sauer“.

Neben der umfangreichen Praxis kamen im zweiten Seminarteil auch die theoretischen Grundlagen nicht zu kurz. Dieser fand vorwiegend im Lehrsaal und im Innenhof der Landesjagdschule in Gensingen statt. Man besprach zunächst die im dort angelegten Hochbeet vorhandenen Gartenkräuter und deren Verwendungsmöglichkeiten. Zur Begrüßung im Lehrsaal gab es einen mit Mineralwasser aufgefüllten „Hugo“ mit Blüten-Eiswürfeln. Dazu wurden diverse Öle mit Kräuterbrot verkostet. Die im Lehrrevier gesammelten Kräuter wurden zusammen mit den Gartenkräutern zu diversen Pesti, Kräuterquark, Kräuterbutter und Beilagen-Salaten verarbeitet.

Revierjagdmeister Robert Ackermann zeigte den Teilnehmern in der in Gensingen vorhandenen Muster-Wildkammer das fachgerechte „Aus-der-Decke-Schlagen“ eines Stückes Rehwild sowie das Vorbereiten einzelner Fleischpartien zur Verwendung als Grillfleisch.

 In der „Grillküche“ richtete Wildmeister Christoph Hildebrandt zusammen mit den Teilnehmern die vorab vorbereiteten Fleischstücke zum Grillen an. Den Grill verließen dann allerlei Köstlichkeiten, darunter:


• „Rehburger auf Kräuterquark in Finnbrot“,
• „Rehsteak an Zitronenthymian und Acker-Stiefmütterchen“,
• „Wildkaninchensteak natur“,
• „Rehrücken im Kräuter-Speckmantel“,
• „Kräuterkaninchen-Bällchen im Honigmantel“,
• „Süßer Wildfrüchte-Spieß“,
• „Mit Rosmarin gespickter Kaninchenrücken“,
• „BBQ vom Wildkaninchenblatt“ und
• „Roastbeef vom Reh“ und abschließend
• „Wald-und-Wiesen-After-Eight“
(in flüssige Schokolade eingetauchte Gundermann-Pflanzen).

Beim „Feedback“, das von den Teilnehmern in sogenannten Evaluierungsbögen zum Ausdruck gebracht wird, zeigten sich ausnahmslos alle Teilnehmer begeistert. Gelobt wurde vor allem, dass auf vielfältige Weise aufgezeigt wurde, wie abwechslungsreich die Küche mit Produkten aus heimischen Revieren sein kann. Bleibt zu hoffen, dass die neu gewonnenen Erkenntnisse von den Seminarteilnehmern in viele Reviere hinausgetragen werden.

Wildmeister Christoph HILDEBRANDT, Leiter der Landesjagdschule
 

 

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