Tipps aus dem Lehrrevier “Weinsheim”

Jahresüberblick
Notwendigkeit der Erfassung des Feldhasen-Besatzes

Die Abschusszahlen fast aller Niederwildarten gehen seit Jahren kontinuierlich zurück. Bei den damit verbundenen Diskussionen ist oftmals festzustellen, dass die Beteiligten nicht die gleiche Sprache sprechen und von verschiedenen Voraussetzungen ausgehen.

Eine sachliche Diskussion mit Grundeigentümern, Behörden und sonstigen Interessensverbänden vor Ort  setzt jedoch ein fundiertes Basiswissen über die verschiedenen Einflussfaktoren voraus – auch und vor allem bei der Jägerschaft. Dazu gehört zunächst einmal die genaue Analyse des „Ist-Zustandes“, die Erhebung des notwendigen Zahlenmaterials, insbesondere die Erfassung des vorhandenen Ausgangsbesatzes – z.B. des Feldhasen.

Die Erfahrungen aus dem Niederwildprojekt „Das Mögliche Tun“ haben gezeigt, dass die Besatzerfassung der vorhandenen Niederwilddichten eine der grundlegenden Aufgaben der Jägerschaft vor Ort ist, daher soll hierauf besonders eingegangen werden.

Die nachfolgend aufgeführten Stichpunkte zur Besatzerfassung des Feldhasen mittels der wissenschaftlich anerkannten Methode „Scheinwerfertaxation“ sind dem Handbuch des WILD (Wildtierinformation System der Länder Deutschlands) entnommen, sie sollten wie folgt umgesetzt werden.

Die Auswahl der Fahrtstrecken und die Festlegung der Taxationsflächen

• Die Fahrtstrecke sollte mindestens 20 km lang sein bzw. die Summe aller Taxationsflächen muss mindestens 200 ha betragen.

• Die Taxationsfläche muss hierbei einen repräsentativen Querschnitt der Biotop- und Flächennutzungsverhältnisse des Referenzgebietes darstellen, d.h. es dürfen nicht nur die besten „Hasenecken“ im Gebiet abgeleuchtet werden.

• Befahrbarkeit der Strecken muss zur Zählzeit im Frühjahr und Herbst gewährleistet sein.

• Durch Abfahren des Gebietes bei Tag werden die Fahrtstrecken sowie Geländestrukturen, wie z. B. Hecken, Hegebüsche, Bodenwellen, Böschungen, die die freie Sicht bis 150 m einschränken, in eine Karte eingezeichnet (Gebietskarte im Maßstab 1:10.000).

• Taxationsflächen bleiben über die Jahre unverändert, sofern keine gravierenden Veränderungen, wie z. B. Sichtbeeinträchtigungen durch Verbauung, entstehen

• Flächen, die durch Sichtbehinderungen nicht eingesehen werden können, müssen in ihrer Größe berechnet werden und von der Taxationsfläche abgezogen werden.

• Je nach Ausbildung des örtlichen Wegenetzes kommen zwei Fahrweisen in Betracht: Mehr oder weniger geradlinige Fahrtstrecken, bei denen auf dem Hin- und/oder Rückweg geleuchtet werden kann und geschlossene „Rundstrecken“. Nach Umfahren eines „Kessels“ ist man wieder am Ausgangspunkt angelangt.

• Die effektive Reichweite des Scheinwerfers wird mit 150 m angesetzt.

• Der Scheinwerfer muss zum flexibleren Arbeiten leicht schwenkbar sein, um den Saatreihen besser folgen zu können.

Die Zähltermine sollten liegen im:

• Frühjahr (Stammbesatz): Anfang März bis Mitte April, je nach lokaler Phänologie, stets mit Beginn des Vegetationswachstums auf den Agrarflächen.

• Herbst (Herbstbestand): Mitte Oktober bis Mitte Dezember, stets vor der Bejagung. Der bestmögliche Termin in Gebieten mit starkem Rüben- und Maisanbau liegt in der Zeit, in der die Ernte weit fortgeschritten ist und die Zwischenfrüchte nicht zu hoch gewachsen sind.

• Zählbeginn: ca. 1,5 Std. nach Sonnenuntergang.

• Zähldauer: max. 3 Std. (Nachlassen der Konzentration des Beobachters und Fahrers).
• Zähltermine: mind. zwei Zählungen, die maximal 10 Tage auseinander liegen. Bei voneinander abweichenden Zählergebnissen ist eine dritte Zählung durchzuführen. Die Zählwerte der ersten und zweiten Zählung müssen innerhalb eines bestimmten Bereichs liegen, der sich folgendermaßen berechnen lässt: Man bildet den Mittelwert aus den beiden Zählungen. Weicht einer der beiden Zählwerte um mehr als 25% nach oben bzw. unten vom Mittelwert ab, muss eine dritte Zählung durchgeführt werden.

Hasenzahlstrecken

Die Durchführung

• An einer Zählung müssen mind. zwei Personen beteiligt sein, ein Fahrer sowie ein Beifahrer, der sowohl die Flächen ableuchtet als auch das Protokoll führt. Letzteres kann auch durch eine dritte Person erfolgen.

• Das eingesetzte Fahrzeug sollte, dem örtlichen Zustand der Wege entsprechend, geländetauglich sein und nach Möglichkeit über eine erhöhte Sitzposition verfügen (möglichst keine tiefer gelegten Straßen-Pkw).

• Das Ableuchten der Flächen erfolgt aus dem Beifahrerfenster im rechten Winkel zur Fahrtrichtung. Nur ausnahmsweise darf mit dem Scheinwerfer leicht gewinkelt zur Fahrtrichtung geleuchtet werden. Durch starkes Schrägleuchten nimmt die Reichweite des Scheinwerfers ab und es entstehen Fehler bei der Berechnung der Bestandsdichte.

• Die Fahrgeschwindigkeit muss den jeweiligen Sichtbedingungen angepasst und vor allem gleichmäßig sein (i.d.R. liegt diese bei 15 bis max. 20 km/h). Es darf nur angehalten werden, um zweifelhafte Objekte zu identifizieren.

• Wechselt ein Hase während der Zählung auf eine im Anschluss noch abzufahrende Strecke, so ist dies zur Vermeidung von Doppelzählungen zu beachten.

• Zusätzlich können andere Wildarten aufgenommen werden (Rehwild, Fuchs, Marder u.a.).

• Protokollierung per Diktiergerät oder Strichliste in Zählbögen.

• Da das Wetter einen direkten Einfluss auf die Sichtweite hat, z. B. durch Streulicht bei Regen oder Nebel, und die Vergleichbarkeit der erhobenen Daten gewährleistet sein muss, sind folgende Wetterbedingungen für eine Zählung ungeeignet: Schneelage oder raureif-bedeckter Boden, Dunst oder Nebel, helles Mondlicht, starker bis stürmischer Wind, andauernde starke Regenfälle.

Sollte sich eine dieser Bedingungen während einer Zählung einstellen, muss diese abgebrochen und auf einen anderen Termin verschoben werden; die Daten der abgebrochenen Zählung bleiben unberücksichtigt.

Die Revierinhaber sollten sich mit der Thematik Besatzerfassung intensiv auseinandersetzen, um gegenüber Behörden und anderen Naturschutzverbänden belastbare Daten aufzeigen zu können. Dies gilt nicht nur für den Feldhasen sondern für alle Niederwildarten.
 

                                                                                                                Revieroberjäger Christoph HILDEBRANDT
 
 

 

Facebook-Link
Twitter-Link
Fuss
Landesjagdverband

Landesjagdverband  Rheinland-Pfalz e.v.

Anerkannter Naturschutzverband

Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. • Egon-Anheuser-Haus, 55457 Gensingen • Postfach: 27  • Tel.: 06 727 / 89 44 0 • Fax: 06 727 / 89 44 22