Verstehen Sie Jäger?

Die Jägersprache verfügt über einen sich seit dem späten Mittelalter sich ständig erweiterten und verfeinernden Wortschatz. Im Gegensatz zur Fachsprache, die mit der Jagdtechnik wuchs und sich wandelte, blieb die Jägersprache als ein unabhängiger, standessprachlicher Wortschatz , der im Laufe der Zeit entwickelt wurde, von jener Wandlung unberührt. Ernst von Dombrowski führt einen Wortschatz von mehr als 6000 Worten an, von denen heute noch die Hälfte angewendet und verstanden werden.

Im Hochmittelalter entstanden Jagdhoheiten, die die freie Jagdausübung stark einschränkten und die Schaffung eines Berufsjägerstandes notwendig machten.

Die besondere Stellung der Berufsjäger als Spezialisten auf dem Gebiet der Jagd förderte die Entstehung einer Fach- und Standessprache, die zur Festigung und Bewusstmachung ihrer besonderen sozialen Stellung beitragen sollte und zur Abgrenzung gegenüber Bürgern, Bauern und Jägern, denen nur die niedrige Jagd gestattet war, diente. Unterlagen belegen, dass bereits im Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert eine vollentwickelte Standessprache genutzt wurde.

Das damalige Selbstverständnis sah sogar eine Bestrafung bei Verstößen gegen die Sprachregelungen  - als grobe Missachtung des Standesbewusstseins - vor, die uns heute noch als „Pfundegeben“ oder „Waidmesserschlagen“ bekannt sind.

Das allgemeine Hornsignal „Blattschlagen“ (Merktext: …gebt die Pfunde ihm…), zeugt noch heute davon. Es sollte aus diesem Grund nicht beim Jägerschlag gebla-sen werden, weil es als Strafe nicht zu dieser Zeremonie passt.

Einige Beispiele aus der Jägersprache:

Ansprechen:
Wild nach Art, Geschlecht, Alter und Zustand zu identifizieren.

Äser: Maul des wiederkäuenden Haarwildes. Mit dem Äser wird die Äsung, das heißt die Nahrung, aufgenommen.

Blattzeit: Paarungszeit beim Rehwild. Der Name leitet sich davon ab, dass der Jäger Mithilfe  eines Buchenblatts die Lautäußerung des weiblichen Rehs nachahmt und dadurch den Bock anlockt.

Bruch oder Bruchzeichen: dies sind Zeichen, die von Jägern zur gegenseitigen Verständigung verwendet werden; dabei werden belaubte bzw. benadelte Zweige bestimmter Baumarten in charakteristischer Form, Größe und Anordnung hinterlassen und können von anderen Jägern ihrer Bedeutung entsprechend erkannt werden.

Decke: Fell von Schalenwild (beim Schwarzwild: Schwarte).

Einstand: ein Rückzugsgebiet  für Wildtiere, die diese zum Schutz oder als Ruheraum aufsuchen.

Feistzeit: Phase vor der Paarungszeit – sie dient Hirschen bzw. Rehböcken dazu, sich für die folgende kräfteraubende Zeit Fettreserven zuzulegen.

Lichter: Augen des Schalenwildes.

Löffel: Ohren des Hasen oder Kaninchens.

Malbaum: Baum, an dem sich Wild zur Körperpflege reibt.

Sasse: Lager des Hasen

Teller: Ohren des Schwarzwildes.

Windfang: Nase des wiederkäuenden Schalenwildes.
 

 

Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. • Egon-Anheuser-Haus, 55457 Gensingen • Postfach: 27  • Tel.: 06 727 / 89 44 0 • Fax: 06 727 / 89 44 22

Facebook-Link
Twitter-Link
Fuss

Landesjagdverband  Rheinland-Pfalz e.V.

Anerkannter Naturschutzverband

Fuss
Fuss

Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. • Egon-Anheuser-Haus, 55457 Gensingen • Postfach: 27  • Tel.: 06 727 / 89 44 0 • Fax: 06 727 / 89 44 22