Luchsprojekt im Pfälzerwald

Nachrichten rund um die Wiederansiedlung des Luchses im Pfälzerwald
 

Pressemeldung vom 15.06.2016

Luchs-Managementplan ist da

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium stellte am Freitag, 10. Juni, den Luchs-Managementplan vor. Die erheblichen, jahrelangen Anstrengungen des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz e.V. (LJV), eine gute Grundlage für die Wiederbesiedlung und das Management des Luchses bei Konflikten zu erarbeiten, haben sich gelohnt. „Die Jägerschaft wird mit diesem Engagement ihrer Verantwortung für die Wildart Luchs gerecht“, so LJV-Präsident Kurt Alexander Michael. „Wir beweisen einmal mehr, dass der Landesjagdverband die Bezeichnung ‚anerkannter Naturschutzverband‘ zu Recht trägt und zu einem konstruktiven Miteinander bereit ist.“

Im Sommer sollen im Rahmen des EU-Life-Wiederansiedlungsprojektes die ersten drei Luchse eine neue Heimat im Pfälzerwald finden. „Der Luchs ist ein wichtiges Symboltier für den Wert naturnaher, intakter und unzerschnittener Lebensräume. Seine Anwesenheit hilft, diese zu bewahren und vor Eingriffen zu schützen“, erklärt LJV-Präsident Michael. „Der Managementplan sichert aber auch den Naturnutzern Entschädigungen zu, falls es zu Verletzungen von Nutz- und Haustieren kommt. Das ist eine wichtige Maßnahme für die Akzeptanz des Luchses.“

Der nun vorgestellte Managementplan soll Konfliktfelder und Lösungen zeigen. „Aus jagdlicher Sicht können wir sehr zufrieden sein“, erklärt LJV-Präsident Kurt Alexander Michael. „Regelungen zu Ausgleichzahlungen für verletzte oder getötete Jagdhunde, zur Anerkennung der Luchspräsenz auf Abschussvereinbarungen und -zielsetzungen sowie zu Auf-wandsentschädigungen bei Luchshinweisen sind in dieser Form wohl einzigartig in Deutschland.“

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Jagdhund nachweislich durch einen Luchs verletzt oder getötet würde, könnten Ausgleichzahlungen in Höhe von bis zu 4.000 Euro pro Fall gewährt werden. „Das Umweltministerium hat unsere Forderung nach Anerkennung der wertvollen Arbeit, die von Jagdhundeführern und ihren Jagdhunden geleistet wird, in vollem Umfang umgesetzt“, betont LJV-Präsident Michael.

Bestätigte Luchsrisse können als sogenanntes Fallwild auf die Abschussvereinbarung bzw. in Regiejagdflächen auf die Abschusszielsetzung angerechnet werden. Auch könne eine angemessene Reduktion bei der nächsten Abschussvereinbarung oder Abschusszielsetzung berücksichtigt werden, sofern das waldbauliche Betriebsziel nicht gefährdet sei. „Mit dieser Regelung wird das für die Jagd zuständige Umweltministerium der erhöhten Schwierigkeit bei der Bejagung von Schalenwild (Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild) gerecht, die durch die Anwesenheit des Luchses einhergeht“, erklärt Michael. „Besonders Rehwild passt sich der Anwesenheit eines großen Beutegreifers schnell an und verhält sich vor-sichtiger.“

Das Luchsmonitoring ist besonders auf die Mitwirkung der Jägerinnen und Jäger angewiesen, da diese eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, Spuren von Luchsen zu entdecken. „Durch das Monitoring leisten viele Jägerinnen und Jäger einen wertvollen Beitrag zum Wiederansiedlungsprojekt. Wir begrüßen daher die angemessene Aufwandsentschädigung von 100,- Euro pro Rissmeldung, die das Umweltministerium für die Monitoringleistung bereitstellt“, sagt Kurt Alexander Michael.

Der LJV begrüßt ausdrücklich die Verurteilung von illegalen Aussetzungen sowie illegalen Tötungen von Luchsen. „In beiden Fällen wird der LJV entschieden dagegen vorgehen und seinerseits bei Bekanntwerden eines solchen Falles Strafanzeige stellen“, stellt Michael unmissverständlich klar. Der Luchs ist nicht nur – unter anderem durch die FFH-Richtlinie – als streng geschützte Tierart eingestuft, sondern unterliegt dem Jagdrecht mit ganzjäh-riger Schonzeit. Dadurch genießt er doppelten Schutz und Hegeverpflichtung durch die Jägerschaft.

Der LJV erwartet mit Spannung die ersten Luchse im Pfälzerwald und ist zuversichtlich, dass die Regelungen im Managementplan zu einer konfliktfreien Koexistenz von Mensch und Luchs führen werden. Doch in Anbetracht der angestrebten, freien Ausbreitung des Luchses – und auch des Wolfes – in Rheinland-Pfalz, bleibt die Frage nach der Gleichbehandlung der Schalenwildarten Rot-, Dam- und Muffelwild unbeantwortet. Diese dürfen derzeit nur in per Verordnung bestimmten Bereichen leben und müssen außerhalb dieser erlegt werden. „Wir fordern das Umweltministerium auf, die Bewirtschaftungsgebiete aufzulösen und allen Wildtieren in Rheinland-Pfalz eine freie Ausbreitung zu ermöglichen“, so Michael.

Mit Sorge sieht der Jagdverband den Auswirkungen auf das heimische Muffelwild entgegen, sollten Luchse auf der Suche nach neuen Territorien den Pfälzerwald verlassen. Der Bestand der Wildschafe wäre gefährdet, da sie leichte Beute für den Luchs wären. Des-halb begrüßt der LJV, dass der Managementplan eine spätere Regulation des Luchses bei Erreichen eines günstigen Erhaltungszustandes nicht ausschließt.


Pressemeldung vom 28.05.2015

LJV stellt neue Luchs-Broschüre vor

Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. (LJV) stellt zum offiziellen Start des EU Life-Projekts „Wiederansiedlung von Luchsen im Biosphärenreservat Pfälzerwald“ am 30. Mai auf der Landesgartenschau in Landau seine neue – in dieser Form bundesweit einmalige – Luchs-Broschüre vor. Mit der Broschüre wirbt der LJV um Akzeptanz für das Wiederansiedlungsprojekt.

Die Infobroschüre erläutert erstmals in ausführlicher und allgemeinverständlicher Form die Lebensweise des Luchses und die Ziele des Projektes. Vor allem richtet sich die Broschüre an die Allgemeinheit – doch auch im Besonderen an Jägerinnen und Jäger, um sie mit dem neuen „Mitjäger“ im Pfälzerwald vertraut zu machen. „Der Schutz der Luchse hat beim LJV eine lange Tradition“, erklärt LJV-Vizepräsident Gundolf Bartmann. „Bereits vor 20 Jahren beschäftigte sich der Verband intensiv mit der Frage der Bewahrung einer kleinen vorhandenen Luchs-Population im Pfälzerwald.“

Die 20-seitige Luchs-Broschüre beinhaltet unter anderem einen wildbiologischen Steckbrief, Erläuterungen zum Verhalten, zu den Lebensraumansprüchen und zum Einfluss des Luchses auf seine Umwelt. Interessierte Leser finden zudem Ansprechpartner, Kontakte und Informationen rund um die geplante Luchs-Auswilderung. Die Broschüre kann in kleinen Mengen kostenfrei direkt beim LJV bestellt werden (Tel. 06727/8944-0) und steht auf der LJV-Homepage (www.ljv-rlp.de) als Download zur Verfügung.

„Der LJV unterstützt die Wiederansiedlung der Luchse als wichtiger Projektpartner“, betont LJV-Vizepräsident Bartmann. „Mit der neuen Broschüre möchten wir über diese faszinierende Wildart informieren und die zum Teil emotionale Diskussion versachlichen.“ Der LJV stellt aber auch klare Forderungen an das Wiederansiedlungsprojekt: die Auswilderung von Luchsen soll sich ausschließlich auf den Pfälzerwald beschränken, denn nur dieser bietet in Rheinland-Pfalz – im Zusammenhang mit den französischen Vogesen – den notwendigen, weiten Lebensraum für eine tragfähige Population. Weiterhin fordert der Verband unter anderem eine Beteiligung an allen Stadien der Durchführung des Projekts, die Einbeziehung jagdlichen Knowhows in die Projektarbeit und die Lösung von Nutzungskonflikten unter Berücksichtigung aller Interessen.


Pressemeldung vom 31.10.2014

Engagement für den Luchs setzt sich fort.

Die Wiederansiedlung von Luchsen im Pfälzerwald ist Thema der vom Landesjagd-verband Rheinland-Pfalz e.V. (LJV) und der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz initiierten Informations- und Diskussionsveranstaltung am 31. Oktober in Pirmasens.

„Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. unterstützt die Wiederansiedlung der Luchse als wichtiger Projektpartner“, betont LJV-Vizepräsident Gundolf Bartmann. „Mit der Veranstaltung möchte der LJV gemeinsam mit dem Projektträger ausführlich über das Ansiedlungsprojekt informieren und die Diskussion versachlichen“. Der Landesjagd-verband stellt aber auch Forderungen an das Projekt. So soll sich die Auswilderung der Luchse allein auf den Pfälzerwald beschränken. „Nur der Pfälzerwald bietet in Rheinland-Pfalz – im Zusammenhang mit den französischen Vogesen – den notwendigen weiten Lebensraum für eine in sich tragfähige Population“, betont LJV-Vizepräsident Bartmann. Weiterhin fordert der LJV unter anderem eine Beteiligung an allen Stadien der Durchführung des Projekts, die Integrierung von jagdlichem Knowhow in die Projektarbeit und die Lösung von Nutzungskonflikten unter Berücksichtigung aller Interessen.

Der Schutz der Luchse hat beim LJV eine lange Tradition. Bereits 1995 – also vor rund 20 Jahren – beschäftigte sich der Verband intensiv mit der Frage der Bewahrung einer kleinen vorhandenen Luchs-Population im Pfälzerwald. „Im Rahmen der Initiative ‚Pro-Luchs‘ wurden erstmals gemeinsam und einvernehmlich verbindliche Eckpunkte für den Schutz dieser in Mitteleuropa seltenen Art zwischen der damaligen Umweltministerin Klaudia Martini und den Jägern vereinbart“, erklärt Bartmann. „Obwohl sich der Luchs vorrangig von Wild – insbesondere von Rehen – ernährt, sah sich die rheinland-pfälzische Jägerschaft schon damals – wie bei der Wildkatze – dem besonderen Schutz dieser interessanten Wildart verpflichtet.“ Luchse unterliegen in Rheinland-Pfalz dem Jagdrecht – haben aber eine ganzjährige Schonzeit. Damit genießt die Großkatze den doppelten Schutz von Naturschutz- und Jagdrecht, denn Jäger sind zur Hege von Wildarten verpflichtet, die dem Jagdrecht unterliegen.

Die rheinland-pfälzischen Jägerinnen und Jäger setzen ihr Engagement zum Schutz der Luchse nun fort. Als im Jahr 2013 erkennbar wurde, dass die Wiederansiedlung von Luch-sen im Pfälzerwald über die EU umsetzbar erschien, befürwortete der LJV nach sorgfältigen Beratungen und auf der Grundlage der auf den Delegiertentagungen einstimmig verabschiedeten Strategien zum Naturschutz das Projekt. Die Unterstützung durch die Jä-gerschaft ist für den Projektträger von elementarer Bedeutung, denn ein wichtiger Entscheidungspunkt für die Projektentwicklung und Zustimmung der EU war die positive Einstellung der Jägerschaft zum Luchs.

Die Wiederansiedlung des Luchses ist eines von zwei so genannten LIFE Natur-Projekten, welche die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz für das Bundesland eingeworben hat. Die Auswilderung von 20 Luchsen aus der Schweiz und der Slowakei ist im Pfälzer-wald für den Winter 2015/16 geplant.

Die Informations- und Diskussionsveranstaltung „Der Luchs kehrt zurück“ findet heute, 31. Oktober, ab 17.00 Uhr im Forum „Alte Post“, Poststraße 2, 66954 Pirmasens, statt.

Hier finden Sie die Forderungen des LJV an das Projekt.
 

Pressemeldung vom 7. Mai 2014

Luchsprojekt vorgestellt

Heute stellte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken ein neues Luchsprojekt im Pfälzerwald vor. Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. (LJV) unterstützt die Wiederansiedlung der Pinselohren als wichtigster Projektpartner.

„Wir Jägerinnen und Jäger haben uns für eine konstruktive und offensive Partner-schaft entschieden, weil die natürliche Wiederbesiedlung des Pfälzer Waldes derzeit ausgeschlossen ist und wir einen gemeinsamen Managementplan entwickeln werden, in dem
 

Nutzungskonflikte gelöst werden können“, erklärte LJV-Vizepräsident, Forstdirektor Gundolf Bartmann. Die Wiederansiedlung des Luchses ist eines von zwei so genannten LIFE Natur-Projekte, welche die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz für das Bundesland eingeworben hat. Für die gesamte Bundesrepublik sind vier LIFE Natur-Projekte bewilligt worden. Die Auswilderung von 20 Luchsen aus der Schweiz und der Slowakei im Pfälzerwald ist für den Winter 2015/16 geplant.

Bereits im Jahr 2013 führten Gespräche zwischen dem LJV und der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz zu einer konstruktiven Kooperation bezüglich der von der Stiftung geplanten Auswilderung von Luchsen. Vorausgegangen waren eine intensive jagdfachliche Prüfung der Chancen und Risiken einer Auswilderung sowie ein intensiver Meinungsbildungsprozess im Jagdverband unter Beteiligung der örtlich zuständigen LJV-Untergliederungen. „Für uns und die Bewilligung der Förderung durch die Europäische Union war die positive Haltung des LJV zum Luchsprojekt außerordentlich wichtig; Ich danke deshalb ausdrücklich unseren Jägerinnen und Jägern in Rheinland-Pfalz, für die Verantwortung zum Artenschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis ist!“, betont die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken.

Nur der Pfälzerwald bietet in Rheinland-Pfalz den notwendigen weiten Lebensraum für eine in sich tragfähige Population. Da eine natürliche Wiederbesiedlung, wie sie immer wieder von den Jagdverbänden bundesweit für alle Tierarten – so auch für den Luchs – favorisiert wird, im Pfälzerwald ausgeschlossen ist, kann dort nur ein seriös geplantes Auswilderungsprojekt den Erfolg bringen. Die erhoffte natürliche Zuwanderung des Luchses aus den Vogesen, wie es sich alle Experten gewünscht hatten, fand wegen unüber-windbarer Hindernisse – hierzu zählt u. a. die sogenannte „Zaberner Steige“ – leider nie im erhofften Umfang statt. „Wir dürfen den Kampf gegen die weiter Zerschneidung der Landschaft und für mehr Grünbrücken bei Autobahnen aber nicht aufgeben, auch zum Nutzen anderer Arten, wie Rotwild und Wildkatze“, betont Bartmann

Jägerinnen und Jäger sehen heute in Beutegreifern wie Luchs, Wildkatze oder Greifvögeln längst nicht mehr auszurottende Konkurrenten mehr. Sie sollen und können Teil eines auch für sie und den Menschen gleichermaßen geeigneten, geschützten und nachhaltig genutzten Lebensraumes sein und auch ihre Beute suchen. „ Wie sich aber unsere Jagd anpassen muss und ob unser Wild spürbar weniger oder sich anders  verhalten wird, wenn der Luchs mit jagt, wissen wir noch nicht“, sagte Bartmann. Deshalb fordere der Verband einen Managementplan der Nutzungskonflikte minimiert und eine sehr intensive Vorbereitung, Beobachtung und Einbindung gerade der örtlichen Jägerschaft durch ideologiefreie Öffentlichkeitsarbeit.
 

Pressemeldung vom 4. Juni 2013

Landesjagdverband begleitet neues Luchsprojekt im Pfälzerwald

„Wir werden den Aufbau einer Luchspopulation im Pfälzer Wald und dessen Schutz als verlässlicher Partner unterstützen“, erklärte heute Kurt Alexander Michael, Präsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz e.V. (LJV). In einem entscheidenden Arbeitsgespräch des LJV-Präsidiums mit Jochen Krebühl, Geschäftsführer der „Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz“, wurden Möglichkeiten einer konstruktiven Kooperation bezüglich der von der Stiftung geplanten Auswilderung von Luch-sen im Pfälzerwald abschließend erörtert. Vorausgegangen waren eine intensive jagdfachliche Prüfung der Chancen und Risiken einer Auswilderung sowie ein intensiver Meinungsbildungsprozess im Jagdverband unter Beteiligung der örtlich zu-ständigen LJV-Untergliederungen.

Nur der Pfälzerwald bietet in Rheinland-Pfalz den notwendigen weiten Lebensraum für eine in sich tragfähige Population. Da eine natürliche Wiederbesiedlung, wie sie immer wieder von den Jagdverbänden bundesweit für alle Tierarten – so auch für den Luchs – grundsätzlich favorisiert wird, im Pfälzerwald ausgeschlossen ist, kann dort nur ein seriös geplantes Auswilderungsprojekt den Erfolg bringen. Die erhoffte natürliche Zuwanderung des Luchses aus den Vogesen, wie es sich alle Experten gewünscht hatten, fand wegen unüberwindbarer Hindernisse – hierzu zählt u. a. die sogenannte „Zaberner Steige“ – leider nie im erhofften Umfang statt. Auch sind die Lebendnachweise von Luchsen im Pfälzerwald nicht mehr vorhanden.

Michael und Krebühl einigten sich darauf, dass die rheinland-pfälzische Jägerschaft das Projekt offen und zielführend begleiten wird. Die einzelnen Maßnahmen zur Auswilderung der Luchse werden mit zahlreichen Partnern abgestimmt. Im nächsten Schritt gilt es, die Finanzierung zu sichern. Das Projekt sieht vor, mehrere Luchse im Pfälzerwald auszuwildern, um dort eine möglichst stabile und lebensraumangepasste Population aufzubauen.

Schon jetzt beobachten landesweit auch als „Luchsbeauftragte“ speziell ausgebildete Jäger die Wiederbesiedlung von Rheinland-Pfalz durch die Großkatze. Sie überprüfen Sichtungen durch Waldbesucher und sichern Spuren, um die Anwesenheit der Pinselohren zu beweisen. Zudem sind die Luchsbeauftragten dahingehend ausgebildet, um potentielle Risse von Nutztieren durch Luchse zu identifizieren.

Jägerinnen und Jäger sehen heute im Wolf, Luchs, Bären oder in der Wildkatze keine zu bekämpfenden Konkurrenten mehr. Sie sollen und können Teil eines auch für sie und den Menschen gleichermaßen geeigneten, geschützten und nachhaltig genutzten Lebensraumes werden.

Die Pinselohren kehren zurück- Erste Luchse im Pfälzerwald freigelassen

Am 30. Juli 2016, wurden die ersten drei von insgesamt 20 Luchsen im Pfälzerwald freigelassen. „Diese Aktion, die der Landesjagdverband von Anfang an fachlich begleitet hatte, trägt zum Schutz und Erhalt einer gefährdeten Leitart und zu einer weiteren Akzeptanz des jägerischen Handelns bei“, erklärte LJV-Vizepräsident Gundolf Bartmann.

Die Akzeptanz des Luchses bei den Menschen im Land sei sehr groß und bilde eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Wiederansiedlung. Bartmann wies darauf hin, dass der Luchs eine dem Jagdrecht unterliegende Art sei, woraus sich für die Jägerschaft eine Hegepflicht ergebe, die ernst genommen werden müsse. „Der LJV und die Jägerschaft vor Ort beweisen mit Ihrer positiven Einststellung, dass sie die Anerkennung als Naturschutzverband zu Recht tragen“, so Bartmann. Man sei bereit, auch Verluste beim Rehwild oder gewisse Auswirkungen auf das Verhalten und die Bejagbarkeit des Wildes hinzunehmen, wenn andererseits auch die berechtigten Forderungen und Anliegen der Jägerschaft – z. B die Vernetzung der Wildlebensräume – Gehör fänden.

Umweltministerin Ulrike Höfken, der Projektträger und die anwesenden Naturschutzverbände dankten dem Landesjagdverband ausdrücklich für seine Einstellung und die geleistete Vorarbeit. Eine erfolgreiche Wiederansiedlung sei ohne die Jägerinnen und Jäger undenkbar. Die Vertretungen bundesweiter Institutionen, wie der WWF, betonten, dass die Zusammenarbeit in Rheinland-Pfalz als einzigartig und beispielgebend wahrgenommen werde.

Das von der EU geförderte LIFE-Projekt der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz läuft über sechs Jahre. Die Luchse, die mit einem GPS-Halsband besendert und gechipt sind, stammen aus der Slowakei; sie heißen KAJA, LUNA und LUCKY. Grundschulkinder haben ihnen die Namen im Rahmen eines Bildungsprojektes gegeben. Gerade der Pfälzerwald bietet im europäischen Vergleich optimale  Möglichkeiten für die Rückkehr des Luchses. Die Initiatoren hoffen, dass es durch Wanderbewegungen zu einem genetischen Austausch u. a. mit den Luchspopulationen in den französischen Vogesen geben wird.

Die Wiederansiedlung der Luchse ist eingebettet in ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dazu gehört ein in Zusammenarbeit mit dem LJV entwickelter Managementplan, den das Umweltministerium im Juni in Kraft gesetzt hat. Darin wird geregelt, was zum Wohle der Luchse, aber auch was zum Wohle der Landnutzer und der Jäger erforderlich ist. Im sogenannten Luchs-Parlament treffen sich auf deutscher und französischer Seite regelmäßig Teilnehmer aus Jagd, Landwirtschaft, Forst, Naturschutz und Behörden, um das gemeinsame Vorgehen abzustimmen. Informations- und Umweltbildungsmaßnahmen begleiten das Projekt.

Die Luchse sollen sich nach der Freilassung ein Leben in freier Wildbahn selbst erschließen. Die GPS-Halsbänder ermöglichen es, ihre Aufenthaltsorte zu verfolgen und vieles über ihre Lebensweise herauszufinden. Landesweit nehmen ehrenamtliche Luchsberater – unter ihnen viele Jägerinnen und Jäger – Meldungen über Sichtungen von Luchsen entgegen. Zur gezielten Suche nach „hilflosen“ oder kranken bzw. toten  Luchsen stehen zusätzlich zwei ausgebildete Hunde, sogenannte „wildlife detection dogs“ bereit. Wenn nötig können die Tiere in einer Auffangstation aufgenommen und gesund gepflegt werden.

Die Jägerschaft wird das Projekt auch in Form von Sichtungs- und/oder Rissmeldungen unterstützen. Der LJV konnte erreichen, dass der diesbezügliche Aufwand mit einer Fallpauschahle in Höhe von 100 € pro Meldung vergütet wird (Großkarnivoren-Hotline: Tel. 06306-911199).
Mehr Infos zum Luchsprojekt finden Interessierte unter www.snu.rlp.de.

Erhard BÄDER, LJV-Geschäftsführer
 

Pressemeldung Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (23.08.2016)
Luchse unterwegs!

 

Luna, Kaja und Lucky erschließen sich ihren Lebensraum im Pfälzerwald. Die drei Luchse wurden am 30. Juli 2016 freigelassen. Nachdem sie zunächst ihre unmittelbare Umgebung erkundet haben, erweitern die Tiere ihren Bewegungsradius. Mit einzelnen Ausflügen Richtung Südwesten konnten die Tiere in den letzten Wochen innerhalb des Freilassungsgebiets zwischen B39, B48 und Elmsteiner Tal nachgewiesen werden.

„Unser Wunsch, dass die Tiere nach der Freilassung zunächst in der Region verweilen, wurde also vorerst erfüllt“ so Sylvia Idelberger von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz.
Die drei Luchse agieren unabhängig voneinander, aber ihre Wege kreuzen sich immer wieder. Geschickt nutzen die Luchse Bereiche mit viel Deckung im Pfälzerwald für ihr Tageslager, während sie in den Abendstunden auch an
Lichtungen unterwegs sind.

Für alle wilden Tiere ist die Querung von Straßen mit Risiken verbunden. Bisher konnten die Luchse die andere Straßenseite unfallfrei erreichen. Das Risiko eines Unfalls kann für alle Tierarten über eine aufmerksame und umsichtige Fahrweise vermindert werden.

Aktionsräume der freigelassenen Luchse Kaja, Luna und Lucky
Stand: 17.08.2016)

Es wurden von zwei Jägern bereits Sichtungen der Luchse gemeldet. Das Beutespektrum beim Luchs reicht von Maus über Marder, Hase und Reh bis hin zu jungem Rotwild. Die Hauptbeute sind Rehe. Dem Team der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz ist es gemeinsam mit der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft
(FAWF) gelungen, erste Risse nachzuweisen. Es wurden drei tote Rehe gefunden, die von den Luchsen als Beute über mehrere Tage hinweg genutzt wurden. Die lokal zuständigen Stellen wurden informiert und eingebunden.

Verhaltenstipps
Wenn Luchs und Mensch zufällig im gleichen Gebiet unterwegs sind, verharrt der Luchs zuweilen erst mal ruhig an Ort und Stelle. Er vertraut auf seine Tarnung und ist als Beutegreifer auch kein Fluchttier. Wenn aber eine gewisse Distanz unterschritten wird, zieht sich der Luchs zurück. Wenn Sie das große Glück haben sollten, einen Luchs zu beobachten, genießen Sie den Moment und respektieren Sie den Sicherheitsabstand des Wildtieres.

Dass Hunde von Luchsen angegriffen werden, weil sie sie als Beute betrachten, ist nicht bekannt. Es kann aber in Einzelfällen passieren, dass wenn ein Luchs sich durch einen Hund angegriffen fühlt und er keinen Ausweg mehr hat oder seine Junge verteidigen will, es zu einer Interaktion zwischen Luchs und Hund kommt. Ausnahmsweise können Hunde auch einmal Neugier beim Luchs auslösen, so dass sie nicht sofort zurückziehen, selbst wenn der Beisitzer sich in der Umgebung befindet. Hier entscheidet dann auch das Verhalten des Hundes darüber mit, wie sich die Situation entwickelt.

Wenn Sie unliebsame Begegnungen zwischen Hund und Luchs von vornherein ausschließen möchten, nehmen Sie bitte Ihren Hund im Wald an die Leine. Auf jeden Fall sollte Sie jederzeit die Möglichkeit haben, ihren Hund zu sich zurück zu rufen. So können auch andere Wildtiere vor Störungen geschützt werden.

Die der Pressemitteilung beigefügte Karte verdeutlicht die ungefähren Aktionsräume der drei Luchse, generalisiert auf einen Kreis mit 5 km Radius mit Stand Mitte letzter Woche.

Mehr Informationen zum LIFE Luchs Projekt Pfälzerwald der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und den beteiligten Partnern und Unterstützern im Internet unter www.luchs-rlp.de.
Speziell für Nutztierhalter ist hier ein neues Informationsfaltblatt im Bereich „Aktuelles“ zu finden.

Beobachtungen oder andere Hinweise zu Großkarnivoren (Wolf und Luchs) bitte melden unter der Hotline 06306 –
911 199 oder luchs@snu.rlp.de. Herzlichen Dank!

Quelle: Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz

„Die Dokumentation der ungefähren Wegstrecken wird über die GPS-Halsbänder der Luchse ermöglicht“, so Idelberger. „Die GPS-Einheit speichert den Aufenthaltsort der Luchse und sendet ihn per SMS direkt auf den Computer.“ Sylvia Idelberger weist darauf hin, dass sich die Luchse auch öfter in Bereichen ohne Netzabdeckung bewegen. Eine Übertragung der Daten per SMS ist dann nicht möglich und findet zeitlich verzögert statt. Halsband, Sender und Batterie wiegen zusammen weniger als 300 g, also weniger als 2 % des Körpergewichts der Luchse. Die Halsbänder sind mit einer mechanischen Sollbruchstelle versehen, so dass sie nach einiger Zeit von selbst abfallen und die Tiere, wenn die Batterien aufgebraucht sind, das Sende-Halsband nicht ihr Leben lang tragen müssen.

Luchsreviere sind sehr groß. Für den Pfälzerwald kann bei ausgewachsenen Weibchen mit einer Streifgebietsgröße von etwa 50 – 150 km² und für Männchen zwischen 200 – 400 km² gerechnet werden. Das Revier eines Männchen kann daher die Reviere von 2 -3 Weibchen überlagern. Die Reviergröße schwankt unter anderem in Abhängigkeit vom
Nahrungsangebot. Luchse leben als Einzelgänger in ihren Revieren und dulden kein anderes erwachsenes, gleichgeschlechtliches Tier. Daher werden sich langfristig die Bewegungsbereiche von Kaja und Luna trennen.
 

Aktionsräume Luchse

 

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